Acetylsalicylsäure - Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Acetylsalicylsäure (ASS) gehört zur Arzneimittelgruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika. Es wird in höheren Dosierungen für leichte bis mäßige Schmerzen verwendet. Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen dieser Gruppe ist es nur mäßig entzündungshemmend. In niedriger Dosierung (75-300mg täglich) wird ASS eingesetzt, um das Zusammenlagern von Blutplättchen zu hemmen und dadurch bestimmten Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Umgangssprachlich wird ASS auch als Blutverdünner bezeichnet. Genau genommen verdünnt ASS das Blut jedoch nicht, sondern hemmt das Zusammenlagern der Blutplättchen.
Wird ASS langfristig angewendet und es besteht bei Patientinnen und Patienten ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Geschwüre oder -Blutungen, kann die zusätzliche Anwendung eines Magenschutzes wie Omeprazol und Pantoprazol sinnvoll sein. Sprechen Sie hierfür mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Ihrer Ärztin oder Arzt.
Was ist Acetylsalicylsäure?
Acetylsalicylsäure ist ein Wirkstoff, der zur Arzneimittelgruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR bzw. NSAIDs) gehört. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem auch Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen.
Wie viele andere Stoffe kam die Idee zur Synthese von ASS aus der Natur. Die Geschichte der Acetylsalicylsäure ist eng mit der Weidenrinde (Salicis cortex) verbunden. Sie enthält Salicin, aus dem der Körper unter anderem Salicylsäure bildet. Erkenntnisse über die Wirkung von Salicylaten trugen später zur Entwicklung der synthetischen Acetylsalicylsäure bei. Seit mehr als 100 Jahren und bis zum heutigen Tag ist Acetylsalicylsäure einer der bekanntesten Wirkstoffe.
Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein apothekenpflichtiges Arzneimittel, das in verschiedensten Darreichungsformen erhältlich ist. Je nach Darreichungsform ist es ohne Rezept, oder nur mit ärztlicher Verschreibung erhältlich.
Wie wirkt Acetylsalicylsäure?
Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und leicht entzündungshemmend. Es blockiert die Bildung bestimmter Botenstoffe im Körper, so genannte Prostaglandine. Diese Botenstoffe sind an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen wesentlich beteiligt. ASS beeinflusst auch die Blutgerinnung. Es verhindert, dass die Blutplättchen (Thrombozyten) zusammenklumpen.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Acetylsalicylsäure angewendet?
Acetylsalicylsäure wird für Erwachsene zurSchmerztherapie in einer Dosierung von 500-1000 mg eingenommen. Die Einnahme kann in einem Abstand von 4-8 Stunden wiederholt werden. Eine Tagesdosis von 3000 mg sollte nicht überschritten werden. Je nach Form tritt die Wirkung innerhalb 15-45 Minuten ein und hält ca. 4 bis 6 Stunden an.
Als Hemmstoff der Blutgerinnung wird 75mg – 300mg ASS als Dauertherapie zur Prophylaxe eines erneuten Herzinfarkts oder Schlaganfalls eingesetzt. Meist werden hierbei 100mg ASS eingesetzt. Es wird in der Regel einmal täglich eingenommen. Wie ASS eingenommen werden soll, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Beachten Sie daher die Angaben in der Packungsbeilage.
Die blutverdünnende Wirkung von ASS hält circa sieben Tage an. Der Grund für diese lange Wirkdauer ist die Lebenszeit der Thrombozyten. Diese liegt im Schnitt bei 7 Tagen. ASS bindet irreversibel an ein Enzym in den Thrombozyten, welches für die Thrombozytenaggregation verantwortlich ist. Da Thrombozyten keinen Zellkern besitzen, können sie dieses Enzym nicht mehr nachproduzieren. Die Thrombozytenaggregationshemmung bleibt für die gesamte Lebensdauer von 7 Tagen bestehen bis neue Thrombozyten gebildet werden.
Da täglich neue Thrombozyten gebildet werden muss auch täglich eine ASS Einnahme erfolgen.
Was ist vor Operationen und zahnärztlichen Behandlungen zu beachten?
Sollten eine Operation oder eine Behandlung bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt bevorstehen, sollte der Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt werden, dass ASS verwendet wird. Ggf. muss dieses im Vorfeld unter Aufsicht abgesetzt werden.
Wann ist bei Acetylsalicylsäure ein Magenschutz sinnvoll?
Während der Anwendung von ASS und einem erhöhten Risiko für Magen-Darm-Probleme kann die gleichzeitige Einnahme eines Magenschutzes wie Omeprazol und Pantoprazol sinnvoll sein. Sprechen Sie hierfür mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt!
Darf Acetylsalicylsäure in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden?
ASS sollte während der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden. Dabei spielen die Dosierung, der Anwendungsgrund und die Schwangerschaftswoche eine wichtige Rolle. Insbesondere höhere Dosierungen zur Behandlung von Schmerzen oder Fieber können im Verlauf der Schwangerschaft Risiken für Mutter und Kind verursachen. Niedrig dosierte ASS wird dagegen bei bestimmten Erkrankungen auch gezielt während der Schwangerschaft ärztlich verordnet. Während der Stillzeit wird die Anwendung von ASS laut Fachinformation nicht empfohlen.
Kinder und Jugendliche mit fieberhaften Erkrankungen dürfen den Wirkstoff Acetylsalicylsäure nur nach einer ärztlichen Anweisung einnehmen, da die Möglichkeit eines Reye-Syndroms besteht. Das Reye-Syndrom ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Krankheit, die unbedingt sofortiger ärztlicher Behandlung bedarf.
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Wann darf Acetylsalicylsäure nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden?
Die Einnahme von ASS sollte vermieden werden, von:
- Kindern (nur in Ausnahmefällen, wird eine Ärztin oder ein Arzt diesen Wirkstoff verwenden)
- Schwangeren (nur nach Anweisung der Ärztin oder des Arztes einnehmen)
- Stillenden
- Menschen, die bereits mit Asthma oder anderen Überempfindlichkeitsreaktionen auf ASS, andere Salicylate oder bestimmte NSAR reagiert haben.
- Personen mit Magengeschwüren und/oder Magen-Darm-Blutungen -sprechen Sie hier vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
- Personen mit schweren Leber- und/oder Nierenfunktionsstörungen
- schwere, nicht einstellbarere Herzinsuffizienz
- Kombination mit Methotrexat (hier nur nach Anweisung der Ärztin oder des Arztes verwenden)
- Blutgerinnungsstörungen
Welche Nebenwirkungen können bei Acetylsalicylsäure auftreten?
Acetylsalicylsäure kann folgende Nebenwirkungen verursachen:
- Magen-Darm-Probleme wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Geschwüre, Entzündungen, Blutungen und Durchfall
- Erhöhte Blutungsneigung
- Überempfindlichkeitsreaktion der Haut, des Magen-Darm-Traktes und der Atemwege
- Leber- und Nierenfunktionsstörungen
- Atemnot
Anzeichen einer Überdosierung können folgende Symptome sein:
- Ohrensausen, gestörtes Hörvermögen
- Hörminderung
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Bewusstlosigkeit
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Gibt es Wechselwirkungen mit Acetylsalicylsäure?
ASS bewirkt Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Arzneimittel. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie andere Medikamente verwenden, kürzlich verwendet haben oder verwenden wollen. Zudem können Sie wichtige Medikamentenwechselwirkungen ganz einfach online checken.
Ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht, wenn ASS zusammen mit anderen Blutverdünnern genommen wird. Beispiele hierfür sind:
- Antikoagulantien wie Warfarin, Phenprocoumon, Heparin
- Thrombozytenaggregationshemmer wie Ticlopidin, Clopidogrel
- NSAR wie Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac - Ibuprofen kann bei regelmäßiger Einnahme die gewünschte Wirkung von niedrig dosierter ASS auf die Blutplättchen abschwächen. Wenn Sie ASS zur Vorbeugung von Herzinfarkt oder Schlaganfall einnehmen, sollten Sie die zusätzliche Einnahme von Ibuprofen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beziehungsweise Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker abstimmen Ibuprofen muss hier entweder 30 Minuten vor ASS, oder 8 Stunden nach ASS eingenommen werden.
Wenn ASS mit folgenden Arzneimitteln kombiniert wird, besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt wie zum Beispiel Geschwüre und Blutungen:
- NSAR wie Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac
- Glukokortikoide (Kortison)
- Antidepressiva wie Citalopram, Sertralin und Fluoxetin
Des Weiteren können folgende Arzneimittel zu Wechselwirkungen führen:
- Digoxin
- Lithium
- Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe)
- Methotrexat
- Arzneimittel gegen Krampfleiden/Epilepsie (Valproinsäure)
- Antibiotika (Sulfamethoxazol/Trimethoprim)
- Arzneimittel gegen Bluthochdruck
- Arzneimittel zur Therapie einer Herzinsuffizienz
- Medikamente die die Harnausscheidung fördern (Aldosteronantagonischen, Schleifendiuretika)
- Arzneimittel zur Behandlung einer Gicht (Probenecid,) - höhere ASS-Dosen können die Harnsäureausscheidung vermindern und zu Gicht-Symptomen führen.
Was sollte bei Acetylsalicylsäure noch beachtet werden?
- Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt bzw. Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt, wenn Sie ASS als Prophylaxe oder vor kurzem gegen Schmerzen eingenommen haben, wenn eine Operation bevorsteht.
- ASS ist kein Mittel zur allgemeinen Vorbeugung für jeden. Niedrig dosiertes ASS sollte nicht eigenständig zur Herzinfarkt-/Schlaganfallvorbeugung begonnen werden. Nutzen und Blutungsrisiko müssen individuell beurteilt werden.
- Wird ein Schmerzmittel über einen längeren Zeitraum nicht bestimmungsgemäß verwendet, kann dies wiederum zu Kopfschmerzen führen.
- Ganz allgemein kann die gewohnheitsmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, insbesondere in Kombination mit anderen schmerzstillenden Wirkstoffen, zur dauerhaften Nierenschädigung mit einem Risiko eines Nierenversagens (Analgetika-Neuropathie) führen.
- ASS kann – wie andere NSAR – vorübergehend die weibliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Dieser Effekt bildet sich nach dem Absetzen wieder zurück. Bewahren Sie Medikamente immer so auf, dass sie für Kinder unzugänglich sind.
- Nach dem auf dem Blister/Umkarton vermerkten „Verwendbar bis“ soll ASS nicht mehr eingenommen werden.
- Das Medikament sollte im Umkarton gelagert werden, damit es vor Licht und Feuchtigkeit geschützt ist.
Veröffentlicht am: 11.08.2022
Aktualisiert am: 04.09.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- A01AD05, B01AC06, N02BA01
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Gelbe Liste https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Acetylsalicylsaeure_41
[2] Mutschler, E.: Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020
[3] Neubeck, M.: Evidenzbasierte Selbstmedikation, Deutscher Apotheker Verlag, Kaiserslautern 2021
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