Blasenschwäche bei Frauen kommt viel häufiger vor als die meisten denken. Durch ihre Anatomie sind Frauen anfälliger für diese Art von Leiden als Männer. Wir erklären die Hintergründe und geben Tipps für die Behandlung und zeigen auf, wie Sie sich schon im Vorfeld gegen diese Art von Beschwerden wappnen können.

Komplex und sensibel: Die Blase

Unsere Blase ist ein sehr komplexes Organ, welches bis zu einem Liter Urin zwischenlagern kann. Die Niere produziert laufend Harn und ohne dieses komplizierte Verschlusssystem müssten wir dauernd auf die Toilette laufen. Die Fähigkeit, den Toilettengang selbst zu kontrollieren (Kontinenz), ist nicht angeboren, sondern wird in der Kleinkindphase erlernt. Unterstützt wird die Blase von der Beckenbodenmuskulatur, die je nach Kondition und gesundheitlicher Verfassung unterschiedlich stark trainiert ist. In der Schwangerschaft wächst der Fötus im Uterus nach oben und wird von unten ganz alleine vom Beckenbodenmuskel gehalten. Eine Geburt oder auch eine Operation im Unterleib können diesen schwächen und eine vorübergehende Inkontinenz auslösen. Bei jüngeren Frauen kann es auch durch häufige Blasenentzündungen oder Harnwegsinfektionen zu einer Blasenschwäche kommen. Bei älteren Frauen sind manchmal die Wechseljahre mit einem Abfall des Östrogenspiegels oder einfach eine Schwäche des Bindegewebes der Grund dafür.

Welche Formen der Blasenschwäche bei Frauen gibt es?

Belastungsinkontinenz: Hier wird bei sogenannter Belastung (schwerem Heben, Niesen, Lachen, Husten oder Treppensteigen) ungewollt Urin abgegeben, ohne dass zuvor ein Harndrang besteht. Ursache für diese Indikation kann eine Schwäche der Muskulatur des Beckenbodens sein, die dafür sorgt, dass der Verschlussmechanismus der Harnröhre nicht mehr so funktioniert, wie er eigentlich sollte. Die gute Nachricht ist, dass dieser Muskel sehr rasch und mit wenig Aufwand trainiert werden kann. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, können spezielle Einlagen Geruch vermeiden und diskret über diese Phase hinweghelfen.

Dranginkontinenz: Hier funktioniert der Austausch zwischen Gehirn und Blase nicht mehr richtig. Die Blasenmuskulatur ist zwar in Ordnung, aber die Information, wann es tatsächlich Zeit ist eine Toilette aufzusuchen, kommt falsch oder zu spät im Gehirn an. Häufige Harnwegsinfekte oder eine stressbedingte Verspannung der Muskulatur können diese Form der Blasenschwäche auslösen.

Blasenschwäche vorbeugen und behandeln

Frauen, die regelmäßig Sportarten wie Yoga, Ballett, Pilates oder Reiten betreiben, müssen sich wenig Sorgen um ihren Beckenboden machen. Aber auch Biofeedback und Elektrostimulation können einer schwachen Beckenbodenmuskulatur und Blase wieder auf die Sprünge helfen. Hormonbedingte Beschwerden in den Wechseljahren können durch Östrogene in Form von Salben oder Vaginalzäpfchen erfolgreich behandelt werden. Im Allgemeinen wächst die Blasenmuskulatur mit ihren Aufgaben: Viel trinken hält sie in Form und lässt sie Herausforderungen leichter meistern. Blasentropfen (z.B. Mag. Doskar Nr. 3) und Cranberrykapseln helfen rasch bei Blasenentzündungen und können auch zur Prophylaxe eingenommen werden. Blasentees mit Brennnesselblättern trainieren das Organ und können durch ihre ausschwemmende Wirkung gleichzeitig für schöne Haut sorgen. Wer nach dem Geschlechtsverkehr sofort aufs Klo geht, schwemmt fremde Bakterien sofort hinaus und minimiert damit die Gefahr einer Entzündung. Nicht zu Unrecht werden Blaseninfektionen im Volksmund auch “Honeymoon-Syndrom” genannt. Ebenfalls wichtig ist es, darauf zu achten, nicht ohne Unterlage auf kalten Untergründen zu sitzen und die Nieren durch Kleidung ausreichend warm zu halten.