Paukenröhrchen – Drainage und Belüftung des Mittelohrs

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Zusammenfassung
Sammelt sich im Ohr hinter dem Trommelfell Flüssigkeit, lässt sich diese durch ein in das Trommelfell eingesetztes Röhrchen entfernen und die Belüftung des Mittelohrs wieder herstellen. Oft kommt ein solches Paukenröhrchen bei einem Paukenerguss zum Einsatz. Je nach Art der Beschwerden, bleibt es so lange im Ohr, bis es nach etwa sechs Monaten vom geheilten Trommelfell abgestoßen wird. Manche Paukenröhrchen verbleiben hier jedoch dauerhaft oder werden chirurgisch entfernt, wenn zugrunde liegende Erkrankungen behandelt sind.
Was ist ein Paukenröhrchen?

Das Paukenröhrchen ist ein kleines T- oder spulenförmiges Röhrchen, das aus unterschiedlichen Materialen wie Kunststoff, Gold-Platin, Titan oder vergoldetem Silber bestehen kann. Es wird durch einen kleinen Schnitt in das Trommelfell (Membrana tympani) eingesetzt und stellt dann eine Verbindung zwischen dem äußeren Gehörgang und dem weiter innen gelegenen Mittelohr dar. Hat sich in der hinter dem Trommelfell liegenden Paukenhöhle Eiter angesammelt, kann er durch das Paukenröhrchen abfließen. So klingt die Entzündung in der Regel schnell wieder ab, da mit dem Eiter auch die Bakterien, die ihn produziert haben, aus dem Mittelohr geschwemmt werden. Das wird als Pauken-Drainage bezeichnet. Gleichzeitig ermöglicht das Paukenröhrchen einen Luftaustausch im Mittelohr, der die Heilung begünstigt.
Paukenröhrchen verbleiben unterschiedlich lange im Trommelfell. Solche, die hier nur kurze Zeit liegen, stößt der Körper nach etwa drei bis sechs Monaten in den Gehörgang ab, während das Trommelfell heilt und sich wieder verschließt. Die T-förmigen Paukenröhrchen hingegen können dauerhaft eingesetzt bleiben.

Wann kann ein Paukenröhrchen helfen?
Das Paukenröhrchen kommt bei verschiedenen Erkrankungen des Mittelohrs als Therapieoption infrage. Dazu zählen insbesondere
- der Paukenerguss, wenn er länger als drei Monate besteht und bei dem es hinter dem Trommelfell zu einer Eiteransammlung kommt.
- häufige Infektionen des Mittelohrs oder eine chronische Mittelohrentzündung (Otitis media).
- Belüftungsprobleme des Mittelohrs über die Ohrtrompete (auch Eustachische Röhre oder Tuba auditiva), z. B. durch Polypen, Tumoren im Nasen-Rachen-Raum, entzündliche Schleimhautschwellungen oder dauerhaft vergrößerte Rachenmandeln.
Alle genannten Erkrankungen können dazu führen, dass das Hörvermögen abnimmt. So kann das Trommelfell beispielsweise bei einem Paukenerguss nicht mehr wie gewohnt schwingen. Das führt dazu, dass die Reize, die von Umgebungsgeräuschen ausgelöst werden, nicht mehr in ausreichender Stärke über das Trommelfell die Gehörknöchelchen erreichen. Geräusche werden daher oft nur noch wie durch Watte gedämpft wahrgenommen.
Wie wird ein Paukenröhrchen eingesetzt?
Der Einsatz des Paukenröhrchens in das Trommelfell an sich ist schmerzfrei. Dennoch ist er sehr unangenehm, da der Eingriff direkt am Trommelfell stattfindet und dadurch als sehr laut empfunden wird. Bei jüngeren Kindern kann daher eine Vollnarkose sinnvoll sein, die mindestens eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus nach sich zieht. Für ältere Kinder und Erwachsene reicht eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) für den dann ambulanten Eingriff jedoch meistens aus.
In der Regel kann der Einsatz des Paukenröhrchens ambulant vorgenommen werden.
Hierzu sorgt die auf den Hals-Nasen-Ohren-Bereich spezialisierte chirurgische Fachkraft zunächst für eine vergrößerte Sicht auf das Trommelfell. Dafür richtet sie die optische Einheit eines Mikroskops über dem Ohr der liegenden Person aus. Dann wird das Trommelfell mit einem feinen Schnitt geöffnet (Parazentese). Hat sich dahinter Flüssigkeit wie Eiter gesammelt, wird diese so weit möglich abgesaugt. Anschließend wird mithilfe einer Zange oder eines Applikators das Paukenröhrchen eingesetzt. Dieses verhindert, dass sich die Öffnung wieder schließt. Soll es dauerhaft im Trommelfell verbleiben, beispielsweise bei einer Belüftungsstörung, wird das T-förmige Paukenröhrchen mit Flanschen hinter dem Trommelfell verankert.
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Welche Risiken bestehen bei einem Paukenröhrchen?
In manchen Fällen löst das Paukenröhrchen Entzündungen aus. Diese lassen sich in der Regel gut mit Antibiotika in Tropfenform behandeln. Reicht dies nicht aus, ist es jedoch nötig, das Paukenröhrchen vorzeitig zu entfernen. Weitere Risiken können Infektionen oder Abstoßungsreaktionen sein. In seltenen Fällen kann es zu einer Hörminderung kommen.
Was ist bei der Behandlung mit einem Paukenröhrchen zu beachten?
Ist das Paukenröhrchen eingesetzt, sind regelmäßige Kontrollen in der HNO-Praxis nötig. Direkt nach der Operation werden Umgebungsgeräusche noch als gedämpft wahrgenommen. Das legt sich aber, sobald sich das heilende Trommelfell um das Paukenröhrchen herum geschlossen hat und es dann wieder besser schwingen kann.
Auch Schwimmen ist nach dem Eingriff möglich, da über das Paukenröhrchen an sich kein Wasser in das Mittelohr gelangen kann. Vom Tauchen oder von Sprüngen ins Wasser jedoch sollte abgesehen werden, weil sich dann die Druckverhältnisse auf beiden Seiten des Trommelfells verändern. Gelangt der Kopf unter Wasser, übt der Wasserdruck einen stärkeren Druck auf das Trommelfell aus als die Luft im Mittelohr. Dadurch wird das Wasser über das Paukenröhrchen in das Mittelohr gepresst. Wenn es Keime enthält, kann es zu einer Entzündung kommen. Zudem kann das kalte Wasser im Mittelohr einen Vestibularreiz auslösen. Dabei wird das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) so stimuliert, dass es zu Schwindel kommen kann.
Auch beim Haarewaschen ist es wichtig, darauf zu achten, dass kein Wasser an die Ohren kommt. Dusch- und Badezusätze können die Beschaffenheit des Wassers so verändern, dass es leichter durch das Paukenröhrchen in das Ohr gelangen kann. Über die Sinnhaftigkeit von Ohrenstöpseln, um das Ohr in solchen Fällen zu schützen, scheint sich die ärztliche Fachwelt nicht einig zu sein. Daher ist es sinnvoll, dies in der Praxis oder der Klinik zu erfragen.
Veröffentlicht am: 23.07.2026
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Paukenbelüftungsröhrchen. https://www.pschyrembel.de/Paukenr%C3%B6hrchen/K0GFW/doc/
[2] Hoberman, A. et al. Tympanostomy Tubes or Medical Management for Recurrent Acute Otitis Media N Engl J Med 2021; 384:1789-1799
[3] R. Lang-Roth, M. Dübber. Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie. In: Speer, C.P., Gahr, M., Dötsch, J. (eds) Pädiatrie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-57295-5_29
[4] Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Legen eines Paukenröhrchens. https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/rachenmandel-wucherung/legen-eines-paukenroehrchens.html
[5] Pharmazeutische Zeitung. Lohnt sich ein Paukenröhrchen – oder lieber Antibiotika? https://www.pharmazeutische-zeitung.de/lohnt-sich-ein-paukenroehrchen-oder-lieber-antibiotika-125757/
[6] Parazentese und Paukendrainage: Trommelfellschnitt und Paukenröhrcheneinlage https://www.hno-wohlen.ch/operationen/paukenroehrchen/
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