Schlafwandeln - Ursachen, Symptome und Behandlung

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Beim Schlafwandeln gehen Betroffene nachts umher, ohne vollständig aufzuwachen oder sich danach an ihre Handlungen erinnern zu können. Am häufigsten tritt die Schlafstörung bei Kindern auf, und meist verschwindet sie im Lauf der Pubertät. Die genauen Ursachen sind bislang ungeklärt, Fachleute vermuten jedoch einen Zusammenhang mit dem noch nicht vollständig ausgereiften Gehirn. Die Abklärung anderer Erkrankungen als Auslöser kann sinnvoll sein, meist bedarf das Schlafwandeln an sich jedoch keiner Behandlung. Stattdessen geht es mehr darum, das Umfeld der schlafwandelnden Person sicher zu gestalten.
Wie äußert sich Schlafwandeln?
Schlafwandeln (Somnambulismus) gehört zur Gruppe der Schlafstörungen oder Parasomnien.
Der Fachbegriff Somnambulismus setzt sich aus den lateinischen Begriffen für Schlaf, „somnus“, und umhergehen, „ambulare“, zusammen. Am häufigsten sind Kinder zwischen elf und zwölf Jahren betroffen, je nach Studie wandeln zwischen 15 und 30 Prozent aller Kinder einmal Schlaf. Oft hören die Episoden zur Pubertät auf – bei Erwachsenen kommt Schlafwandeln nur selten vor. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 4 Prozent der Erwachsenen betroffen, wobei die Häufigkeit bei Frauen leicht höher ist.
Bei dieser Schlafstörung handelt es sich um das teilweise Erwachen aus dem Tiefschlaf. Betroffene können aus dem Bett aufstehen, umherlaufen und meist eher wenig komplexe Tätigkeiten ausführen. Der umherlaufende Teil des Schlafwandelns kann aber auch fehlen und Betroffene sitzen nur im Bett und führen wiederholende Bewegungen wie Kauen oder Schmatzen aus oder murmeln vor sich hin. In der Regel erinnern sich Betroffene nach dem Aufwachen nicht daran, was während der Episode geschehen ist.
Welche Ursachen können hinter Schlafwandeln stecken?
Einige Studien zeigten, dass bei Schlafwandelnden während einer Episode einige Hirnregionen Zeichen von Wachheit aufweisen, während andere Regionen zur gleichen Zeit Anzeichen von Schlaf zeigen.
In den meisten Fällen liegt keine Erkrankung oder Hirnverletzung vor, die das Schlafwandeln auslöst. Da Schlafwandeln bei Kindern deutlich häufiger ist, wird vermutet, dass das nicht ausgereifte Nervensystem Heranwachsender eine Rolle bei der Entstehung spielt. Neben der Hirnreifung gilt heute auch eine familiäre bzw. genetische Veranlagung als gesichert. Wenn ein Elternteil schlafwandelt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind betroffen ist, laut Studien bei bis zu 60–80 Prozent.
Eine Reihe von Faktoren scheint Schlafwandeln zu begünstigen:

Einige Medikamente werden ebenfalls mit dem Auftreten von Schlafwandel-Episoden in Verbindung gebracht. Dazu zählen unter anderem:
- Beruhigungs- und Schlafmittel
- Medikamente gegen bakterielle Infektionen (Antibiotika)
- Wirkstoffe gegen Erkrankungen des Gehirns wie Parkinson oder Epilepsie
- Allergiemittel (Antihistaminika)
Insbesondere Psychopharmaka, die auf das zentrale Nervensystem wirken, stehen unter dem Verdacht, Schlafwandeln auszulösen.
Wann ärztlichen Rat einholen bei Schlafwandeln?
Es lohnt sich immer, ungewöhnliche nächtliche Verhaltensmuster oder Bewegungen ärztlich abzuklären, auch wenn Schlafwandeln in den meisten Fällen harmlos ist. Grund dafür ist, dass ungewöhnliche Bewegungen unter anderem durch eine Epilepsie ausgelöst werden können. Bei dieser Erkrankung gibt das Gehirn verstärkt Signale ab, die dazu führen, dass einzelne Muskeln zucken oder der ganze Körper krampft. Kurze epileptische Anfälle (Petit-Mal-Anfälle) können dann zu automatischen Bewegungen wie Kau- und Schmatzbewegungen führen.
Dafür kommt im Regelfall ein Elektroenzephalogramm (EEG) zum Einsatz, welches die Hirnströme mithilfe von Elektroden misst, entweder in der neurologischen Praxis oder im Schlaflabor. Auch ein Verdacht auf Atemaussetzer während des Schlafs (Schlafapnoe) sollte unbedingt medizinisch abgeklärt werden.
Darüber hinaus kann bei Erwachsenen eine Abklärung sinnvoll sein, wenn die Episoden sehr häufig auftreten oder zu Verletzungen führen, da dies mitunter auf andere Schlafstörungen wie das „Schlafverhaltensstörung-Syndrom“ (REM-Schlaf-Verhaltensstörung) hinweisen kann.
Wie sehen Diagnostik und Therapie bei Schlafwandeln aus?
Für die Diagnose erfragt das ärztliche Fachpersonal die bisherige Erkrankungsgeschichte. Da sich Betroffene jedoch meist nicht ans Schlafwandeln erinnern, liefern oft Angehörige die notwendigen Informationen über die zum Zeitpunkt des Schlafwandelns verübten Tätigkeiten, die Fähigkeit zur Interaktion mit anderen und weitere Details. Ein Schlaftagebuch und Informationen zum Alltag können hilfreich sein, um begünstigende Faktoren ausfindig zu machen.
In den meisten Fällen ist keine Behandlung des Schlafwandelns notwendig, und die Symptome verschwinden nach einiger Zeit von selbst wieder. Im Rahmen der medizinischen Untersuchungen lassen sich jedoch andere Erkrankungen ausschließen, und es findet eine Beratung statt, die Betroffene und Angehörige über das Schlafwandeln und den Umgang damit aufklärt. Nur bei sehr häufigem und intensivem Schlafwandeln erfolgt eine Überweisung in eine schlafmedizinische Praxis oder eine Untersuchung im Schlaflabor.
Was können Sie selbst bei Schlafwandeln tun?
Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus dem Umfeld Betroffener und sichern Sie Türen und Fenster, um Verletzungen zu vermeiden. Sollten Sie der schlafwandelnden Person begegnen, können Sie diese behutsam zum Bett zurückleiten. Dabei sollten Sie es jedoch vermeiden, Betroffene zu wecken, denn dies kann den Zustand verlängern sowie Widerstand und unter Umständen sogar gewalttätiges Verhalten auslösen.
Wenn Sie, Ihr Kind oder andere Menschen in Ihrem Umfeld bereits mehrfach geschlafwandelt haben, können Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Dazu zählt hauptsächlich eine gute Schlafhygiene:
- ausreichend schlafen
- regelmäßige Schlafzeiten einhalten
- Störungen des Schlafs vermeiden (durch Geräusche, Licht oder Berührungen), insbesondere kurz nach dem Einschlafen.
Veröffentlicht am: 11.02.2026
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Quellen
[1] Deximed Hausarztwissen. Schlafwandeln. https://deximed.de/home/klinische-themen/paediatrie/patienteninformationen/psychische-stoerungen-bei-kindern/schlafwandeln
[2] Deximed Hausarztwissen. Parasomnien bei Kindern. https://deximed.de/home/klinische-themen/paediatrie/krankheiten/verschiedene-krankheiten/parasomnien-bei-kindern
[3] Pro Psychotherapie e. V. Schlafwandeln (Somnambulismus). https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/schlafstoerungen/schlafwandeln/
[4] Pro Psychotherapie e. V. Diagnose Schlafstörungen. https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/schlafstoerungen/artikel/
[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Restless-Legs-Syndrom. https://www.gesundheitsinformation.de/restless-legs-syndrom.html
[6] Heidbreder A. Schlafwandeln. Springer Medizin eMedpedia. https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/enzyklopaedie-der-schlafmedizin/schlafwandeln?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54672-3_203
[7] Neurologienetz Schlafwandeln - Somnambulismus (ICD-10 F51.3) https://www.neurologienetz.de/fachliches/erkrankungen/schlaferkrankungen/schlafwandeln-somnambulismus
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