Chronische Schmerzen - Therapie und Ursachen

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Chronische Schmerzen können die Folge einer Gewebeverletzung, zum Beispiel durch einen Knochenbruch oder eine Operation, sein oder in Begleitung einer Grunderkrankung wie Diabetes mellitus auftreten. Sie treten wiederholt in Erscheinung oder sind konstant spürbar. Dabei können sie sich von einem Symptom zu einer eigenständigen Erkrankung entwickeln, selbst wenn die zugrunde liegenden Ursachen behandelt wurden. Eine rein medikamentöse Behandlung reicht in der Regel nicht aus. Die langwierige oder oft dauerhafte Behandlung verläuft in der Regel in Kombination mit anderen Therapieansätzen wie Psychotherapie, Entspannungsübungen oder Physiotherapie. Neuere Forschung zeigt zudem, dass auch digitale Therapieformen – etwa ärztlich verordnete Gesundheits-Apps (DiGA) – unterstützend wirken können, indem sie Betroffenen helfen, Schmerzen besser zu verstehen und den Alltag anzupassen.
Wie äußern sich chronische Schmerzen?
Dauern nach einer Verletzung oder Operation die Schmerzen länger als drei Monate an, obwohl die Wunde bereits abgeheilt ist, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von chronischen Schmerzen. Dann stellt der chronische Schmerz die eigentliche Erkrankung dar. Auch eine Grunderkrankung wie Diabetes mellitus kann mit diesen Beschwerden einhergehen, die entweder in Schüben auftreten oder konstant spürbar sind. Anders als plötzlich (akut) auftretende Schmerzen, haben chronische Schmerzen keine Warnfunktion. Sie entstehen häufig durch eine dauerhafte Veränderung der Schmerzverarbeitung im Nervensystem, wodurch der Körper auch ohne akuten Auslöser Schmerzsignale sendet.

Chronische Schmerzen lassen sich nicht einheitlich beschreiben. Kommen sie an den Organen im Bauchraum vor, können sie sich tiefliegend, dumpf oder krampfartig anfühlen. Oftmals kann es zudem schwerfallen, die schmerzende Stelle auszumachen oder im ärztlichen Gespräch genau hinzuzeigen. Anders sieht dies mit Schmerzen am Bewegungsapparat aus, das heißt Arme, Rumpf und Beine. Schmerzen, die hier auftreten, werden meist beschrieben als
- stechend,
- ziehend oder
- brennend.
Sind die chronischen Schmerzen die Folge von Nervenschäden, äußern sie sich meist
- anfallsartig,
- einschießend oder
- kribbelnd.
Zudem sind Gefühle von Überempfindlichkeit und Taubheit möglich. Oft sind Ältere oder Menschen mit Demenz nicht mehr in der Lage, auf die chronischen Beschwerden aufmerksam machen oder den Ort des Schmerzes zu benennen. Für pflegende Personen ist es dann wichtig, auf folgende typische Anzeichen zu achten:
- Angestrengte Atmung
- Wehklagen oder Stöhnen
- Schmerzhaft verzogenes Gesicht
- Schutzhaltung, z. B. wenn eine Hand vor den Bauch gehalten wird
- Verwirrtheit
Welche Ursachen können hinter chronischen Schmerzen stecken?
Bei länger andauernden, stark ausgeprägten Schmerzen können sowohl die reizweiterleitenden Nervenzellen von den Organen und anderen Geweben als auch die in Rückenmark und Gehirn empfindlicher werden. Leichte Berührungen oder Temperaturreize lösen dann oft starke Schmerzen aus. Oftmals sendet auch das übersensible Rückenmark Schmerzsignale an das Gehirn, selbst wenn es vorher keine Reize aus anderen Körperbereichen empfangen hat. Zudem ist es möglich, dass im Rückenmark durch diesen Prozess neue Nervenverknüpfungen und damit ein Schmerzgedächtnis entsteht. Aus diesem Grund kann beispielsweise ein über lange Zeit verspannter Muskel immer noch schmerzen, auch wenn die Verspannung gelöst wurde.
Für chronische Schmerzen kommen unterschiedliche Ursachen und Risikofaktoren infrage:
- Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, wie Diabetes mellitus, Migräne oder Behandlungen wie eine Chemotherapie
- Unzureichende Schmerzbehandlung zu Beginn einer Erkrankung, nach einer Verletzung oder Operation. In der Folge bereiten beispielsweise Operationsnarben weiterhin Schmerzen, obwohl die Wunde bereits abgeheilt ist (z. B. Phantomschmerz nach einer Amputation)
- Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Arthrose, rheumatoide Arthritis oder Morbus Crohn
- Bandscheibenvorfälle
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Langandauernde Einnahme bestimmter Schmerzmittel , z. B. Opioide
- Höheres Alter
- Familiäre Veranlagung
Auch die Psyche hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Auftreten oder Fortbestehen von chronischen Schmerzen. Dabei spielt das soziale Umfeld der betroffenen Person ebenso eine Rolle wie Angst oder Stress sowie psychische Erkrankungen wie eine Depression. Auch Gewalterfahrungen und andere Schmerzereignisse in der Kindheit sind Risikofaktoren für ein späteres chronisches Schmerzerlebnis.
Wann ärztlichen Rat einholen bei chronischen Schmerzen?
Chronischer Schmerz wirkt sich oft maßgeblich auf den Alltag aus, vor allem wenn neben den Schmerzen Schlafmangel aufgrund der Beschwerden hinzukommt. Manchmal ist die Beeinträchtigung so stark, dass betroffene Personen arbeitsunfähig sind oder in Frührente gehen. Ein frühzeitiger Besuch in der hausärztlichen Praxis, spätestens nach drei bis sechs Monaten, kann der Entwicklung eines chronischen Schmerzes vorbeugen.
Wie sehen die Diagnostik und Therapie bei chronischen Schmerzen aus?
Für eine Behandlung ist es wichtig, herauszufinden, wo genau der Schmerz lokalisiert ist. Dafür stellt das ärztliche Gegenüber der betroffenen Person verschiedene Fragen, um herauszufinden,
- wie sich die Schmerzen anfühlen,
- wie häufig sie auftreten,
- wann und wo sie auftreten,
- ob die Schmerzstärke auf einer Skala von eins bis zehn genannt werden kann und
- wie sich die Schmerzen auf alltägliche Aktivitäten auswirken.
Neben dem Anamnesegespräch kommt eine körperliche Tastuntersuchung infrage. Ergänzend kann Blut entnommen werden, um es auf bestimmte Werte hin zu untersuchen. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomografie (CT oder MRT) können ebenfalls aufschlussreiche Informationen liefern. In manchen Fällen misst die ärztliche Fachperson, wie schnell die Nerven in der Lage sind, einen Reiz weiterzuleiten.
Die Behandlung chronischer Schmerzen bezieht Personen unterschiedlicher Fachbereiche mit ein und richtet sich nach der Ursache, sofern diese bekannt ist. Neben Medikamenten wie Antidepressiva, Glukokortikoiden oder anderen Entzündungshemmern kann eine solche multimodale Behandlung Maßnahmen umfassen wie:
- Physio-, Ergo- oder Psychotherapie
- Ernährungsberatung, falls Übergewicht vorliegt
- Akupunktur
- Bewegungsübungen
- Orthopädische Hilfsmittel wie orthopädische Schuhe, Gehhilfen oder Schienen
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation
- Wärme- und Kälteanwendungen
Was können Sie selbst bei chronischen Schmerzen tun?
Chronische Schmerzen können Betroffene frustrieren, vor allem, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, Dinge zu tun, die nötig sind oder Freude bereiten. Wirkt das soziale Umfeld nicht unterstützend, trägt dies zur psychischen Belastung bei, was die Beschwerden wiederum verstärken kann. Oft führt bereits das offene Gespräch mit Familie, Freunden oder Freundinnen und Arbeitsstelle zu mehr Verständnis. Wichtig ist, dass Sie für sich herausfinden, was bei Ihnen den Schmerz lindert oder wieder aufflammen lässt. Für die Behandlung ist Geduld gefragt und nicht immer ist sie von Erfolg gekrönt. Umso wichtiger ist es daher, dass Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihrer behandelnden Praxis aufbauen. Darüber hinaus können Sie geprüfte digitale Gesundheitsanwendungen nutzen, um ein Schmerztagebuch zu führen, Achtsamkeitsübungen zu erlernen oder Entspannungstechniken zu trainieren. Diese können ärztlich verschrieben und von der Krankenkasse erstattet werden.
Wissenschaftlich belegt ist zudem, dass regelmäßige Bewegung, soziale Unterstützung und das bewusste Umlernen negativer Gedanken über den Schmerz langfristig helfen, die Wahrnehmung zu verändern und das Wohlbefinden zu steigern.
Veröffentlicht am: 06.01.2026
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Chronisches Schmerzsyndrom. https://www.pschyrembel.de/Chronisches%20Schmerzsyndrom/K0KGN
[2] Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. Chronische Schmerzen. https://www.schmerzgesellschaft.de/patienteninformationen/herausforderung-schmerz/chronische-schmerzen
[3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Fibromyalgie. https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-schmerzen-verstehen.html
[4] Universitätsklinikum Bonn. Chronische Schmerzen. https://www.ukbonn.de/stereotaktische-und-funktionelle-neurochirurgie/erkrankungen/chronische-schmerzen/
[5] Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Chronische Schmerzen. https://gesund.bund.de/chronische-schmerzen
[6] gesundheitsinformation.de Chronische Schmerzen verstehen https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-schmerzen-verstehen.html
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