Schleimbeutelentzündung - Symptome, Ursachen und Therapie

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Wenn die „Puffer“ rund um ein Gelenk verletzt oder überlastet werden, können sich diese sogenannten Schleimbeutel entzünden. Dann sprechen Ärzte oder Ärztinnen auch von einer Bursitis. Meist äußert sich eine Schleimbeutelentzündung in Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen. Oft reicht es, das Gelenk ruhigzustellen, manchmal liegt jedoch eine behandlungsbedürftige Infektion vor. Bei mangelnder Schonung oder einer anderen Ursache kann die Schleimbeutelentzündung chronisch werden. In einem solchen Fall kann es notwendig sein, den entzündeten Schleimbeutel operativ zu entfernen.
Was ist eine Schleimbeutelentzündung?
Bei Schleimbeuteln (Bursa synovialis) handelt es sich um kleine mit Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) gefüllte Säckchen, die sich im Körper an den Stellen finden, die häufig Druck ausgesetzt sind. Sie helfen als Polster dabei, den Druck gleichmäßig zu verteilen und verhindern Verletzungen am Gewebe. Es gibt mehr als 100 Schleimbeutel, die im ganzen Körper verteilt sind, sich aber besonders häufig rund um Gelenke finden.
Unter bestimmten Umständen, beispielsweise nach einer Überbelastung oder Verletzung, kann es zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) kommen. In einigen Fällen wird die Entzündung chronisch. Der exakte Name der Entzündung richtet sich nach dem betroffenen Schleimbeutel. Besonders oft handelt es sich um Schleimbeutel in den folgenden Körperbereichen:
- Knie (Bursitis praepatellaris und Bursitis infrapatellaris)
- Ellenbogen (Bursitis olecrani)
- Schulter (Bursitis subdeltoidea)
- Hüftgelenk (Bursitis trochanterica/Trochanter-major-Schmerzsyndrom)
- Ferse (Bursitis calcanea inferior und Bursitis subachillea)
Eine Schleimbeutelentzündung kann allerdings auch durch Bakterien wie Staphylokokkus aureus verursacht werden. In diesem Fall spricht man von einer septischen Bursitits, die in der Regel über einen Zeitraum von 7-10 Tagen mit Antibiotika behandelt wird. Bei Bedarf wird der Schleimbeutel punktiert, damit infiziertes Sekret abfließen kann.
Am häufigsten ist die Entzündung des Schleimbeutels am Ellenbogen, gefolgt von der des Schleimbeutels, der vor der Kniescheibe sitzt (Bursitis praepatellaris). Die Bursitis olecrani tritt jährlich bei mindestens einer von 10.000 Personen auf.
Wie äußert sich eine Schleimbeutelentzündung?
Entzündet sich ein Schleimbeutel, sammelt sich in dessen Inneren mehr Flüssigkeit an. Dadurch kann es zu Schwellungen und Rötungen kommen, und der betroffene Bereich kann sich wärmer anfühlen. Eine Bursitis ist teils sehr schmerzhaft und schränkt oft die Beweglichkeit ein. Bei einer starken Entzündung schmerzen die Schleimbeutel bereits in Ruhe, Bewegung und Belastung reizen das Gewebe aber weiter und verstärken die Schmerzen.
Neben den direkten Anzeichen am Gelenk können Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Entzünden sich zusätzlich die Lymphgefäße (Lymphangitis), zeigen sich rote Streifen.
Was verursacht Schleimbeutelentzündungen?
Schleimbeutel können sich aufgrund verschiedener Auslöser entzünden, darunter:

- Stöße (stumpfes Trauma)
- mechanische Überbelastung (z. B. bei bestimmten Berufen und Sportarten)
- Verletzungen, die zu einer Infektion führen (sekundäre Infektion)
- Abnutzungserscheinungen/degenerative Prozesse (Arthrose)
- Gicht
- Gelenkentzündungen (Arthritis)
- selten Infektionskrankheiten (Tuberkulose, Gonorrhö)
Die Schleimbeutel in den Ellenbogen entzünden sich deswegen so häufig, da sie sehr nah an der Hautoberfläche liegen und daher leichter und häufiger Stößen ausgesetzt sind. Verletzungen, die eine bakterielle Infektion nach sich ziehen, sind bei etwa einem Drittel der Fälle die Ursache für die Entzündung. Zusätzlich belasten viele Tätigkeiten im Alltag diesen Bereich des Ellenbogens dauerhaft, beispielsweise wenn sich Menschen beim Lesen länger auf die Ellenbogen stützen.
Bestimmte Berufe gehen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Bursitis einher, weil Menschen in diesen Berufen immer wieder die gleichen Bewegungen ausführen oder die gleichen Stellen druckbelasten. Wer zum Fliesenlegen häufig auf hartem Untergrund kniet, entwickelt beispielsweise leichter eine Schleimbeutelentzündung im Knie, während ständige Überkopfarbeiten die Schleimbeutel in der Schulter reizen. An der Ferse sind oft schlechtsitzende Schuhe ein Auslöser für die Schmerzen.
Erkrankungen wie Arthritis oder Gicht, bei denen die Gelenke entzündet sind, können ebenfalls auf die Schleimbeutel übergreifen. In sehr seltenen Fällen gehen bakterielle Infektionen wie Tuberkulose oder Gonorrhö auf die Schleimbeutel über und lösen dort eine Entzündung aus.
Wie wird die Diagnose Schleimbeutelentzündung gestellt?
Zunächst erfolgt ein ärztliches Gespräch, um herauszufinden, ob es einen bestimmten Auslöser für die Schmerzen gibt, beispielsweise eine Verletzung oder eine chronische Überlastung. Eine körperliche Untersuchung kann dann abklären, wo sich der Schmerzherd befindet, also bei welchen Bewegungen sich die Schmerzen verändern und ob sie sich bei Druckausübung verstärken.
Abhängig vom betroffenen Körperbereich beziehungsweise Schleimbeutel kann eine ganze Reihe anderer Erkrankungen die Ursache für die Schmerzen sein. Diese lassen sich meist mithilfe anderer Untersuchungen ausschließen. So kann zum Beispiel eine Laboruntersuchung des Bluts Hinweise darauf liefern, ob eine Infektion oder eine Erkrankung wie Gicht vorliegt.
Eine bildgebende Untersuchung wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie kann dabei helfen, Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe sichtbar zu machen. Sollte der Verdacht auf eine bakterielle Infektion bestehen, bietet eine Punktion des Schleimbeutels die Möglichkeit, die darin gesammelte Flüssigkeit genauer zu untersuchen.
Teils tritt die Schleimbeutelentzündung gleichzeitig mit anderen Erkrankungen auf und wird durch diese bedingt. So geht eine chronische Bursitis an der Schulter häufig mit einem Ein- oder Abreißen bestimmter Muskeln und Sehnen im Schulterbereich (Rotatorenmanschette) einher.
Um abklären zu können, ob die Schleimbeutelentzündung durch Bakterien verursacht wurde oder nicht, entnimmt der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin in der Regel mit Hilfe einer Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Schleimbeutel und lässt diese auf Erreger untersuchen.
Wie sieht die Behandlung bei einer Schleimbeutelentzündung aus?
Handelt es sich um eine Bursitis aufgrund von Verletzungen oder Infektionen, erhalten Betroffene Antibiotika. Löst eine zugrundeliegende Erkrankung wie Arthritis die Entzündung aus, lindert oft die Behandlung dieser Erkrankung bereits die Beschwerden. Die weiteren Therapieoptionen der Schleimbeutelentzündung hängen zum Teil vom betroffenen Gelenk ab.
Bei einer Bursitis aufgrund von Überlastung besteht die Therapie hauptsächlich aus der Schonung des Gelenks. Kurzfristig können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu hemmen. Des Weiteren kann Paracetamol zur Schmerzlinderung zum Einsatz kommen.
Abhängig von den individuellen Umständen können Fachärztinnen oder Fachärzte Kortison (Glukokortikoide) direkt in den betroffenen Bereich spritzen, um der Entzündung entgegenzuwirken. Eine Physiotherapie hilft oft nach der ersten Ruhigstellung dabei, die Muskulatur des Gelenks zu stärken und es so zu stabilisieren.
Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist und die Bursitis weiterhin besteht – sie sich also zu einer chronischen Bursitis entwickelt hat – kann eine operative Entfernung des Schleimbeutels (Bursektomie) stattfinden. Diese ist minimalinvasiver Eingriff, welcher besonders häufig am Ellenbogen notwendig.
War der Auslöser der Bursitis eine berufsbedingte Überlastung, kann diese eventuell als Berufskrankheit anerkannt werden. Das ermöglicht weitere therapeutische Maßnahmen. Teils müssen Betroffene ihre berufliche Tätigkeit vollständig oder bestimmte Arbeitsabläufe einstellen.
Was können Sie selbst bei einer Schleimbeutelentzündung tun?
Zur Versorgung einer akuten Schleimbeutelentzündung können Sie sich an der PECH-Regel orientieren. Diese Abkürzung steht für:
- P – Pause: Halten Sie das betroffene Gelenk möglichst ruhig und schonen Sie es.
- E – Eis: Kühlen Sie den Bereich regelmäßig.
- C – Compression: (Englisch für Komprimierung oder Druck): Nutzen Sie einen nicht zu fest gewickelten Druckverband, um ein weiteres Anschwellen zu verhindern.
- H – Hochlagern: Sollten Knie, Ellenbogen oder Ferse betroffen sein, legen Sie Ihr Bein oder Ihren Arm ab und zu hoch. Das hilft beim Abschwellen.
Achten Sie beim Kühlen darauf, niemals Kühlpacks oder Eis direkt auf die Haut zu legen, sondern immer eine Schicht (beispielsweise ein Handtuch) zwischen dem Kühlmittel und Ihrer Haut zu haben. Wer regelmäßig bestimmte Tätigkeiten ausführen muss, die das Gelenk erneut reizen könnten, sollte nach Möglichkeiten suchen, um die Belastung zu verringern. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Knie- oder Ellenbogenschonern.
Bei Beschwerden, die auf eine Schleimbeutelentzündung hindeuten, sollten Sie eine ärztliche Praxis aufsuchen, damit andere Erkrankungen und eine Infektion des Schleimbeutels ausgeschlossen werden kann. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann die erste Untersuchung vornehmen und Sie bei Bedarf an eine orthopädische Praxis überweisen.
Veröffentlicht am: 29.12.2025
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ICD Code
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen. Die Zuordnung basiert auf dem Diagnoseschlüssel ICD-10 BMSGPK 2022 (März 2022)
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Quellen:
[1] Pschyrembel. Online. Bursitis. https://www.pschyrembel.de/Bursitis/K04AP/doc/
[2] Pschyrembel. Online. Bursektomie. https://www.pschyrembel.de/Bursektomie/B0JL3
[3] Pschyrembel. Online. Bursa synovialis. https://www.pschyrembel.de/Schleimbeutel/K04AN/doc/
[4] Deximed – Hausarztwissen online. Chronische Bursitis im Schulterbereich. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/schulter-und-oberarm/schulter-bursitis-chronische
[5] Deximed – Hausarztwissen online. Akute Bursitis an der Schulter. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/schulter-und-oberarm/schulter-bursitis-akute
[6] Deximed – Hausarztwissen online. Bursitis olecrani. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/ellenbogen-und-unterarm/bursitis-olecrani
[7] Deximed – Hausarztwissen online. Bursitis trochanterica/Trochanter-major-Schmerzsyndrom/peritrochantäres Schmerzsyndrom. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/huefte-und-oberschenkel/trochanter-major-schmerzsyndrom
[8] Deximed – Hausarztwissen online. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/unterschenkel-knoechel-und-fuss/kalkaneus-bursitis
[9] Deximed – Hausarztwissen online. Schleimbeutelentzündung der Ferse (Kalkaneus-Bursitis). https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/knie/pes-anserinus-tendopathie
[10] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie kann eine Schleimbeutelentzündung behandelt werden? https://www.gesundheitsinformation.de/wie-kann-eine-schleimbeutelentzuendung-behandelt-werden.html
[11] Bundesministerium für Gesundheit. Schleimbeutelentzündung. https://gesund.bund.de/schleimbeutelentzuendung
[12] Wie wird eine Schleimbeutelentzündung diagnostiziert? https://gesund.bund.de/schleimbeutelentzuendung#diagnostik
[13] Bursektomie https://gelenk-klinik.de/orthopaedie-glossar/bursektomie.html
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