Hyperlipoproteinämie - Symptome, Ursache und Behandlung

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Bei einer Hyperlipoproteinämie handelt es sich um eine Störung des körpereigenen Fettstoffwechsels, bei der die Werte für Fettleber, Triglyzeride oder beides zu hoch sind. Sie kann erblich bedingt, die Folge einer Krankheit oder das Ergebnis einer ungünstigen Lebensweise sein. Die Hyperlipoproteinämie selbst verursacht keine Beschwerden, kann jedoch schwerwiegende Erkrankungen auslösen. Senken lassen sich die erhöhten Werte mit einer Änderung des Lebensstils sowie mit Medikamenten.
Was ist eine Hyperlipoproteinämie?
Eine Hyperlipoproteinämie, auch Hyperlipidämie genannt, ist eine Fettstoffwechselstörung, die mit einer Erhöhung der Blutfette Cholesterin und Triglyzeride sowie deren Transportproteinen einhergeht.
Grundsätzlich lassen sich Hyperlipoproteinämien danach unterteilen, welche Fettwerte erhöht sind:
- Hypercholesterinämie: Das Cholesterin im Blut liegt über 200 Milligramm pro Deziliter.
- Hypertriglyzeridämie: Im Blut befinden sich zu viele Triglyzeride (mehr als 180 Milligramm pro Deziliter).
- Mischform, bei der sowohl Cholesterin- und Triglyzeridwerte zu hoch sind
Wie äußert sich eine Hyperlipoproteinämie?
Die Fettstoffwechselstörung verläuft häufig lange unerkannt, da sie selbst keine Beschwerden verursacht. Nur manchmal zeigen sich flache, oft gelbliche Knötchen (Papeln) oder Flecken (Plaques) auf der Haut beziehungsweise im Gewebe. Diese als Xanthome bezeichneten Veränderungen entstehen durch Ablagerung des überflüssigen Fetts. Sie treten unter anderem an druckbelasteten Stellen wie Gelenken und Sehnen, am Oberkörper oder am Ober- und Unterlid auf. Der Fachausdruck für Letzteres ist Xanthelasmen. Selten lagert sich das Fett im Auge am Rande der Iris ein und zeigt sich als weißlicher Ring in der Hornhaut.
Sind die Blutfette über einen längeren Zeitraum zu hoch, können sie schwerwiegende Folgen haben. Sie begünstigen beispielsweise die Arterienverkalkung (Arteriosklerose), indem sie sich an den Gefäßwänden ablagern und die Durchblutung behindern. Bemerkbar macht sich dies durch Schmerzen zum Beispiel in der Brust, dem Arm oder in den Beinen. Typische Krankheitsbilder sind die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Schaufensterkrankheit, bei der Arterien in Armen und Beinen verengt sind, und die Koronare Herzkrankheit (KHK). Bei dieser betrifft die Durchblutungsstörung die Gefäße, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Manchmal löst sich ein Gerinnsel und gelangt mit dem Blutstrom in andere Körperregionen. Verstopft es dort die Gefäße, kommt es zu gefährlichen Komplikationen wie Lungenembolie, Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Blutfette können sich zudem in der Leber ansammeln und Fettlebererkrankungen verursachen. Hierzu zählt neben der Fettleber die Leberzirrhose. Ausgeprägte oder unzureichend behandelte Hypertriglyzeridämien können Bauchspeicheldrüsenentzündungen auslösen. Betroffene Personen klagen dann über Oberbauchschmerzen.
Was verursacht die Hyperlipoproteinämie?
Eine Hyperlipoproteinämie kann die Folge einer Fehlernährung oder eines ungünstigen Lebensstils sein. Diese als reaktiv-physiologische Form bezeichnete Störung ist der häufigste Grund für erhöhte Blutfettwerte. Fettreiche Nahrungsmittel und insbesondere tierische Fette beispielsweise verursachen eine Hypercholesterinämie, und ein kalorienreicher Speiseplan, insbesondere in Kombination mit Alkoholkonsum, fördert die Entstehung einer Hypertriglyzeridämie.
Des Weiteren kann eine Erkrankung eine Hyperlipoproteinämie auslösen. Hierzu zählen beispielsweise Diabetes mellitus, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Übergewicht. Auch eine Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Glukokortikoide oder Arzneimittel zur Verhütung einer Schwangerschaft können dazu führen, dass die Blutfettwerte zu hoch sind. Medizinisches Fachpersonal spricht in diesen Fällen von einer sekundären Hyperlipoproteinämie. Dagegen ist die primäre Hyperlipoproteinämie genetisch bedingt und tritt familiär gehäuft auf.
Wie wird die Diagnose einer Hyperlipoproteinämie gestellt?
Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Hyperlipoproteinämie ist die hausärztliche Praxis. Manchmal kann zur weiteren Abklärung eine Überweisung an eine Fachpraxis für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiologie), für Krankheiten der Arterien, Venen sowie der Lymphgefäße (Angiologie), für Hormone und Stoffwechsel (Endokrinologie) beziehungsweise für Genetik erfolgen.
Um sich ein Bild von der betroffenen Person sowie den Beschwerden machen zu können, erhebt die medizinische Fachkraft zunächst die Krankengeschichte (Anamnese). Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf den Lebensstil, da sich so das Risiko für eine Arterienverkalkung abschätzen lässt. Da es sich bei der Hyperlipoproteinämie um eine Krankheit handelt, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden kann, stellt das ärztliche Gegenüber zudem Fragen zu Erkrankungen aus der Familie (Familienanamnese). Für das ärztliche Gegenüber ist unter anderem Folgendes interessant:
- Sind der betroffenen Person kleine gelbliche Hautveränderungen aufgefallen?
- Konsumiert sie häufig verarbeitete beziehungsweise frittierte Lebensmittel oder Produkte, die viel Butter, Schmalz, Sahne oder Öl enthalten?
- Trinkt sie Alkohol?
- Raucht sie?
- Wie viel bewegt sich die betroffene Person?
- Bestehen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus?
- Liegen diese Fettstoffwechselstörungen bei weiteren Familienmitgliedern vor?
- Sind Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei Angehörigen im jungen Erwachsenenalter aufgetreten?
- Gibt es Erbkrankheiten in der Familie?
- Welche Medikamente nimmt die betroffene Person ein?
Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, bei der die medizinische Fachperson insbesondere Haut und Augen begutachtet. Nachweisen lässt sich die Hyperlipoproteinämie anhand einer Laboruntersuchung des Bluts. Bei dieser Analyse werden neben dem Gesamtcholesterin LDL- und HDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride bestimmt. Sind ein oder mehrere Werte zu hoch, helfen Blutdruck- sowie Blutzuckermessung und das Elektrokardiogramm (EKG) dabei, weitere Risikofaktoren aufzufinden.
Wie sieht die Behandlung bei Hyperlipoproteinämie aus?
Ziel der Behandlung ist es, die Blutfettwerte abzusenken und damit die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren. Dabei richtet sich der angestrebte Zielbereich auch nach den vorhandenen Risikofaktoren wie
- Rauchen,
- Bluthochdruck,
- Übergewicht und
- Alter.
Je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, umso wichtiger ist die Behandlung. Leicht erhöhte Blutfette allein sind wenig problematisch.
Eine wichtige Säule der Behandlung sind allgemeine Maßnahmen sowie die Änderung des Lebensstils. Hierzu zählen:
- Mehr körperliche Bewegung
- Herzgesunde Ernährung
- Reduktion des Fetts
- Behandlung der Grunderkrankung bei sekundären Hyperlipoproteinämien, z. B. Senken des Blutdrucks bei Bluthochdruck oder Einstellen eines Diabetes mellitus
Erste Effekte lassen sich oft bereits nach sechs Monaten feststellen. Nur wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, helfen zusätzlich hierzu Medikamente, welche die Blutfettwerte senken. Beispiel hierfür sind Statine, die ein bestimmtes Enzym in der Leber hemmen und damit die körpereigene Cholesterinsynthese vermindern. Störende Fettablagerungen am Auge lassen sich chirurgisch oder mithilfe eines Lasers entfernen.
Was können Sie selbst bei einer Hyperlipoproteinämie tun?
Eine Hyperlipoproteinämie kann schwere, teils lebensbedrohliche Erkrankungen wie Schlaganfall und koronare Herzkrankheit zur Folge haben, wenn sie zu spät entdeckt wird. Regelmäßige Blutuntersuchungen ab dem Alter von 35 Lebensjahren sind daher wichtig. Sie helfen dabei, erhöhte Blutfettwerte rechtzeitig zu erkennen und Schäden zu verhindern, beispielsweise an den Gefäßen.
Vorbeugen oder lindern lässt sich eine Fettstoffwechselstörung durch eine gesunde und bewusste Ernährung, die cholesterinarm sowie ballaststoffreich ist. Zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln gehören zum Beispiel Vollkornbrot, Kartoffeln oder Gemüse. Empfehlenswert sind Milchprodukte mit reduziertem Fettgehalt, keine oder nur magere rote Fleisch- und Wurstwaren, Fisch und Geflügel ohne Haut sowie mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in pflanzlichen Ölen vorkommen. Zudem sollten betroffene Personen fettarme Zubereitungsmethoden wie Dünsten dem Braten vorziehen. Weitere Möglichkeiten, seine Blutfettwerte zu senken, sind:

- Regelmäßige körperliche Bewegung, insbesondere Ausdauertraining
- Wenig Kochsalz
- Verzicht auf das Rauchen, da dies ebenfalls ein Risikofaktor für die Arterienverkalkung ist
- Kein Konsum von Alkohol. Dieser steigert die Produktion von Triglyzeriden in der Leber und verringert den Abbau von Chylomikronen nach dem Essen.
- Bei Übergewicht: Gewichtsabnahme
Veröffentlicht am: 02.02.2026
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ICD Code
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen. Die Zuordnung basiert auf dem Diagnoseschlüssel ICD-10 BMSGPK 2022 (März 2022)
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Hyperlipoproteinämie. https://www.pschyrembel.de/Hyperlipoprotein%C3%A4mie/K0A9W
[2] Hyperlipoproteinämie. Thieme via medici. https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668131/4958505/hyperlipoprotein%C3%A4mie
[3] Lipide: Überblick. Thieme via medici. https://viamedici.thieme.de/lernmodul/548416/538878/lipide+%C3%BCberblick
[4] Kaus, R, Hyperlipidämie (Hyperlipoproteinämie). praktischArzt (2023). https://www.praktischarzt.de/krankheiten/hyperlipidaemie/#was-ist-hyperlipidaemie
[5] Deximed. Hausarztwissen online. Hyperlipidämie. https://deximed.de/home/klinische-themen/endokrinologie-stoffwechsel/krankheiten/uebergewicht-und-fettstoffwechselstoerungen/hyperlipidaemie
[6] Deximed. Hausarztwissen online. Blutfette, hohe (Hyperlipidämie). https://deximed.de/home/klinische-themen/endokrinologie-stoffwechsel/patienteninformationen/fettstoffwechselstoerungen/blutfettwerte-hohe-hyperlipidaemie
[7] UniversitätsSpital Zürich. Fettstoffwechselstörung – Behandlung. https://www.usz.ch/fachbereich/endokrinologie/angebot/fettstoffwechselstoerung/
[8] Ackermann, H, et al., AllEx – Alles fürs Examen. Thieme 2. Auflage (2014)
[9] Leopoldt, D, Statine. Gelbe Liste (2023). https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/statine
[10] Lungenembolie. Bundesministerium für Gesundheit. https://gesund.bund.de/lungenembolie
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