Emetophobie - Therapie, Symptome und Ursachen

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Emetophobie ist die krankhafte Angst vor dem eigenen Erbrechen und davor, andere Menschen erbrechen zu sehen. Die Furcht führt oftmals zu einer sozialen und beruflichen Beeinträchtigung, da betroffene Personen oftmals ihr Alltagsleben der Angst anpassen und beispielsweise ihren Speiseplan stark einschränken. Häufig genügt schon der Gedanke an Erbrechen, um bei den betroffenen Personen Angst und Panik auszulösen. Typische Anzeichen dafür sind Schweißausbrüche, Zittern, Übelkeit und Schwindel. Die Behandlung erfolgt mitunter durch eine Konfrontationstherapie und Achtsamkeitstraining.
Was ist eine Emetophobie?
Menschen mit Emetophobie haben Angst davor, sich zu übergeben oder mitzubekommen, dass sich Personen in ihrer Anwesenheit übergeben. Den Betroffenen machen dabei vor allem das Geräusch, das beim Übergeben entsteht, das Würgen, der Anblick sowie der Geruch des Erbrochenen zu schaffen. Einige ekeln sich beim Erbrechen vor sich selbst oder haben Angst, krank zu werden, zu ersticken oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Andere wiederum fürchten sich vor dem Geschmack des Erbrochenen, dem Kontrollverlust beziehungsweise vor der Panik, die sie beim Übergeben erleben. Die Ängste können dabei auf das Erbrechen in der Öffentlichkeit oder im privaten Ambiente beschränkt sein oder aber in beiden Bereichen auftreten.
Wie äußert sich eine Emetophobie?

Die Ängste treten in Situationen oder an Orten auf, die die betroffenen Personen mit einem erhöhten Risiko für Erbrechen in Verbindung bringen. Dies können Imbissbuden, Freizeitparks, ein flauer Magen, Erbrochenes auf einem Gehweg oder das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Oftmals genügt der bloße Gedanke an das Übergeben, um bei den Betroffenen Furcht auszulösen. Sie fangen an zu schwitzen und zittern, haben Atemprobleme und Herzklopfen. Typisch sind zudem Übelkeit, Bauchschmerzen, ein Flattern im Bauch sowie eine veränderte Verdauung. Manchmal treten Kribbelgefühle, Hitzewallungen, Schwindel oder das Gefühl auf, dass Objekte unwirklich sind (Derealisation). Häufig haben betroffene Personen quälende Erinnerungen (Intrusionen) oder es drängen sich zukünftige Horrorszenarien über das Erbrechen auf.
Die durchlebten Ängste führen dazu, dass Personen mit Emetophobie alle Situationen und Orte meiden, in denen sie selbst oder andere erbrechen könnten. Dazu zählen Reisen mit dem Auto, dem Flugzeug oder dem Schiff, Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, Feiern, auf denen Alkohol konsumiert wird, wichtige medizinische Untersuchungen sowie chirurgische Eingriffe. Auch schließen Menschen mit Emetophobie bei Fernsehszenen mit Erbrechen die Augen und vermeiden die Aussprache von Wörtern, die mit Erbrechen in Zusammenhang stehen.
Emetophobische Menschen machen sich oftmals große Sorgen über mögliche Erkrankungen. Da sie deren Folgen – das Erbrechen – fürchten, rufen gewöhnliche Erkrankungen wie eine Erkältung starke Angst hervor. Aus diesem Grund unternehmen sie häufig große Anstrengungen, um eine Ansteckung zu verhindern: Sie waschen sich zum Beispiel exzessiv die Hände, kochen Lebensmittel zu lange, um Krankheitserreger abzutöten, oder vermeiden aus Angst vor einer Lebensmittelvergiftung Krankenhäuser, Imbissbuden sowie ärztliche Praxen. Zudem überwachen sie ihren Körper übermäßig auf Krankheitszeichen und messen häufig ihre Temperatur.
Viele Menschen, die eine Emetophobie haben, schränken ihren Speiseplan stark ein und verzehren nur noch Gerichte, die sie als sicher einstufen. Nahrung, die sie mit einem erhöhten Risiko für Übelkeit und Erbrechen verbinden, meiden sie gezielt. Hierzu zählen unter anderem ausländische Speisen, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Schalentiere, Eier sowie Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum und Speisen, die eine fremde Person, zum Beispiel in einem Restaurant, zubereitet hat.
Gleichzeitig reduzieren Menschen mit Emetophobie aus Angst vor Völlegefühl und Übelkeit oft die Menge der verspeisten Lebensmittel, weswegen sie häufig untergewichtig sind. Aus Angst vor Übelkeit und Erbrechen entscheiden sich manche Emetophobie-Betroffene gegen eine Schwangerschaft oder brechen eine bestehende ab.
All diese Verhaltensweisen schränken den Alltag erheblich ein und können zur sozialen Isolation führen. Hinzu kommt, dass Emetophobien häufig zusammen mit weiteren psychischen Erkrankungen wie einer generalisierten Angststörung, depressiven Episoden, Panikstörungen sowie sozialen Phobien auftreten.
Was verursacht eine Emetophobie?
Ein hohes Risiko, an einer Emetophobie zu erkranken, haben vor allem Personen, die
- von Grund auf ängstlich sind.
- Erbrechen als besonders eklig empfinden (hohe Ekelsensitivität).
- auf Angst mit Übelkeit und Bauchweh reagieren.
- unangenehme Erfahrungen mit dem eigenen oder fremdem Erbrechen gemacht haben. Beispiel hierfür ist das häufige Erbrechen eines Elternteils während einer Chemotherapie.
Kommen zu diesen Faktoren mit Erbrechen verbundene Ereignisse wie eine heftige Magen-Darm-Grippe oder Lebensbelastungen wie eine Trennung, kann sich eine Emetophobie entwickeln.
Wie wird die Diagnose einer Emetophobie gestellt?
Eine geeignete Anlaufstelle bei Emetophobie ist eine Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie. Für die Diagnose erhebt die Fachkraft in einem Gespräch zuerst die Krankengeschichte (Anamnese). Ergänzend kann das ärztliche oder therapeutische Gegenüber Fragebögen wie den Emetophobie-Fragebogen (Emetophobia Questionnaire, kurz EmetQ-13) oder das Inventar zur Erfassung der Angst vor dem Erbrechen (Specific Phobia of Vomiting Inventory, kurz SPOVI) heranziehen. Um andere Erkrankungen auszuschließen, erfolgen anschließend eine körperliche Untersuchung sowie eine apparative Diagnostik mit technischen Geräten und eine Blutuntersuchung.
Die Diagnose einer Emetophobie stellt die Fachkraft, wenn Folgendes vorliegt:
- Furcht vor dem Erbrechen bzw. Vermeidung von Situationen, in denen die Person selbst oder andere erbrechen könnten
- Schweißausbrüche, Atembeschwerden, Schwindel und andere durch Angst ausgelöste Beschwerden beim Gedanken ans Erbrechen
- Emotionale Belastung oder Vermeidungsverhalten
- Beschränkung der Furcht auf bestimmte Situationen oder Gedanken
- Symptome seit mindestens sechs Monaten
Wie sieht die Behandlung bei Emetophobie aus?
Bei einer Emetophobie sind psychotherapeutische Maßnahmen wie Konfrontations- oder Expositionstherapie wirksam. Die Auseinandersetzung mit der Angst erfolgt dabei nach einer Vorbereitungsphase, in der die therapeutische Fachkraft die betroffene Person schrittweise an die gefürchteten Situationen heranführt. Wichtig hierbei ist es, die eigene Angst anzuerkennen und klar zu benennen, was Furcht einflößt. Die anschließende Konfrontation erfolgt durch körperinterne Reize wie Gedanken an Erbrechen oder das bewusste Auslösen von Schwindel durch Drehen auf einem Stuhl sowie externe Reize. Zu letztgenannten zählen Video- und Bildmaterial, Geräusche, Gerüche sowie das bewusste Aufsuchen von Orten, die Erbrechensangst auslösen.
Wichtig ist, dass sich die betroffene Person mit ihrer Furcht auseinandersetzt und auf vermeidende Verhaltensweisen wie Wegschauen verzichtet. Ziel der Konfrontationstherapie ist, dass Menschen mit Emetophobie die Erfahrung machen, dass der Besuch der angstauslösenden Orte nicht zu Erbrechen führt. Das Herbeiführen des eigenen Erbrechens ist dabei weder notwendig noch sinnvoll.
Verschiedene Bewältigungsstrategien ergänzen die Konfrontationstherapie. Zum Einsatz kommen beispielsweise:
- Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR) oder Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT): Eine achtsame innere Haltung hilft betroffenen Personen, alle Sinneseindrücke, Gefühle, Gedanken und Empfindungen wahrzunehmen. Das bewusste Erleben der Angst fördert die bei der Konfrontation stattfindenden Lernprozesse.
- Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT): Betroffene Personen machen sich die Dinge im Leben bewusst, die ihnen wichtig sind und für die es sich lohnt, die Ängste auszuhalten. Dies können Weltreisen oder die Gründung einer Familie sein.
- Biofeedback: Ein Computer misst Atmung sowie Puls und meldet die Werte an die betroffene Person zurück. Diese erhält dadurch mehr Gespür für ihre Körperreaktionen. Die für Emetophobie typische flache sowie schnelle Brustatmung führt zu einem angespannten Bauch und begünstigt Bauchschmerzen sowie Übelkeit. Abhilfe schafft eine tiefe Zwerchfellatmung.
Was können Sie selbst bei Emetophobie tun?
Eine Emetophobie wird oftmals übersehen – zum einen, weil betroffene Personen aus Scham nicht selbst von ihren Problemen berichten, zum anderen, weil die Erkrankung wenig bekannt ist und die Beschwerden denen anderer psychischer Störungen ähneln. Ohne Behandlung bleibt die Erbrechensangst jedoch über viele Jahre bestehen. Durch Erfahrungsberichte auf Internetplattformen sowie der Gründung der ersten Wohltätigkeitsorganisation für Emetophobie namens EmetAction hat die Emetophobie in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Die verstärkte Aufklärung soll dazu beitragen, dass betroffene Personen zukünftig schneller Hilfe erhalten.
Veröffentlicht am: 28.09.2026
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Quellen
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[4] Metzner, M S, Emetophobie: Die krankhafte Angst vor dem Erbrechen erkennen, verstehen und behandeln. PSYCH up2date 17 (2023) 201–219. https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1851-3925
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