Pregabalin – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Pregabalin ist ein Wirkstoff, der sich hemmend auf die Signalweiterleitung im Nervensystem auswirkt. Er wird deshalb zum Beispiel bei Erkrankungen desselben eingesetzt, beispielsweise Epilepsie, anhaltende Nervenschmerzen oder bestimmte Formen der Angststörung. Durch den Eingriff in die zentrale Schalt- und Kontrollstelle des Körpers ist eine Vielzahl unerwünschter Nebenwirkungen möglich, die das Bewusstsein oder andere Körperfunktionen betreffen können. Das Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln ist dagegen gering. Es beschränkt sich vor allem auf Medikamente oder Genussmittel, die sich ebenfalls auf das zentrale Nervensystem auswirken.
Was ist Pregabalin?
Pregabalin ist ein Wirkstoff, der die Signalübertragung im zentralen Nervensystem hemmt und deshalb gegen bestimmte Formen der Epilepsie und Angststörung sowie Nervenschmerzen (Neuralgie) eingesetzt wird. Es ähnelt in seiner Wirkweise dem Gabapentin.
Wegen seiner beruhigenden Wirkung wird es teilweise als Droge missbraucht. Unter anderem deshalb ist es in Deutschland nur gegen Vorlage eines Rezepts bei einer (Online-)Apotheke legal erhältlich.
Wie wirkt Pregabalin?
Signale des Nervensystems werden von einer Nervenzelle (Neuron) über deren Fortsätze (Axone) in Form eines elektrischen Impulses weitergeleitet. An den Übergangsstellen zwischen zwei Axonen finden sich sogenannte Synapsen. Das sind winzige Lücken zwischen den beiden Nervenenden, die aus einer dünnen Haut der ersten Nervenendigung (präsynaptische Membran), derjenigen der zweiten (postsynaptische Membran) sowie dem Raum dazwischen (synaptischer Spalt) bestehen.
Im Endbereich des Nervenastes, der das Signal heranführt, sorgt dieses bei vielen solcher Übergänge dafür, dass Kalzium-Ionen ausgeschüttet werden. Diese elektrisch geladenen Kalzium-Teilchen bewirken, dass winzige Behälter mit Botenstoffen (Neurotransmitter) mit der präsynaptischen Membran verschmelzen und ihren Inhalt in den synaptischen Spalt abgeben. Die Neurotransmitter führen an der postsynaptischen Membran dazu, dass in der darauffolgenden Zelle wiederum ein elektrisches Signal entsteht.

Pregabalin sorgt dafür, dass in der präsynaptischen Membran weniger Kalzium-Ionen ausgeschüttet werden. Dadurch sinkt die Menge an Neurotransmitter, der in den synaptischen Spalt gelangt, wodurch die Erregbarkeit der darauffolgenden Zelle beziehungsweise die Übertragung des elektrischen Signals beeinträchtigt wird. Das hilft bei einigen Nervenerkrankungen wie Epilepsie, bei der die Neuronen zu unkontrollierten Erregungsschüben neigen, die zu den entsprechenden Anfällen führen. Aber auch bei chronischen Nervenschmerzen oder krankhaften Ängsten kann es sich positiv auswirken, wenn die Signalweiterleitung in bestimmten Fällen gestört oder verzögert wird. Außerdem wirkt Pregabalin beruhigend (sedierend), weshalb es teilweise als Rauschmittel missbraucht wird.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Pregabalin eingesetzt?
Ärzte setzen Pregabalin ein, um folgende Erkrankungen zu behandeln:
- Bestimmte Formen der Epilepsie
- Nervenschmerzen
- Angststörungen
Der Wirkstoff ist in Form von Lösungen oder Kapseln erhältlich. Sie werden unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Die Dosierungen richtet sich nach dem jeweiligen Anwendungsgebiet und werden vom Arzt bestimmt. Üblich sind folgende:
- Bei Nervenschmerzen (Neuropathische Schmerzen) beträgt die Dosis zu Beginn 150 Milligramm am Tag, verteilt auf zwei bis drei Gaben. Nach Bedarf kann die Menge dann im Abstand einiger Tage schrittweise bis zur Maximaldosis von 600 Milligramm am Tag erhöht werden.
- Zur Behandlung von Epilepsie beträgt die übliche Anfangsdosis 150 Milligramm täglich, ebenfalls aufgeteilt auf zwei bis dreimal. Nach Bedarf kann die Menge im Abstand von je einer Woche bis zu einer Maximaldosis von 600 Milligramm am Tag verdoppelt werden.
- Bei generalisierten Angststörungen beginnt die Therapie genauso wie bei Nervenschmerzen oder Epilepsie. Die Anfangsdosis wird nach einer Woche gegebenenfalls auf 300 Milligramm in zwei bis drei Einzeldosen verdoppelt. Nach einer weiteren Woche bei Bedarf auf 450 Milligramm, auf die Maximaldosis von 600 Milligramm frühestens sieben Tage später.
Das Medikament sollte auf keinen Fall abrupt abgesetzt werden. Stattdessen wird die Dosis im Laufe einer Woche langsam und schrittweise gesenkt.
Nicht eingesetzt werden sollte Pregabalin bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Arzneimittelbestandteilen
- Während der Schwangerschaft, da der Wirkstoff den Fötus schädigen kann. Frauen im gebärfähigen Alter sollten deshalb während der Anwendung von Pregabalin auf eine wirksame Verhütung achten
- Pregabalin geht in die Muttermilch über. Deshalb kommt es bei stillenden Frauen nur nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt zum Einsatz.
Welche Nebenwirkungen können bei Pregabalin auftreten?
Pregabalin wirkt sich auf die Funktion des zentralen Nervensystems aus, das praktisch alle Körperfunktionen steuert. Daher kann sich das Medikament neben der gewünschten Wirkung in vielfältiger und unerwünschter Weise bemerkbar machen, beispielsweise durch:
- Veränderungen des Gemütszustands wie Reizbarkeit oder Euphorie
- Verwirrtheit und Desorientiertheit
- Bewegungs-, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen sowie Zittern (Tremor), was zu Gangstörungen und einem erhöhten Risiko für Stürze führen kann
- Aufmerksamkeits-, Erinnerungs- und Gedächtnisstörungen
- Empfindungsstörungen
- Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit
- Übelkeit, Erbrechen, aber auch Blähbauch und Verstopfung
- Schmerzen in Gelenken, Armen oder Beinen und dem Rücken
- Krankheits- oder Trunkenheitsgefühl
- Libidoverlust und erektile Dysfunktion (ED)
- Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) und Gewichtszunahme
Pregabalin kann durch diese Nebenwirkungen die Fähigkeit, Fahrzeuge oder gefährliche Maschinen zu führen, einschränken. Auf entsprechende Tätigkeiten sollte während der Anwendung demnach verzichtet werden. Wenn das beispielsweise aus beruflichen Gründen nicht möglich ist, sollte mit dem behandelnden Arzt über mögliche Lösungen gesprochen werden.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen Pregabalin und anderen Arzneimitteln?
Pregabalin wird in unveränderter Weise über die Nieren ausgeschieden, weshalb das Risiko für eine Wechselwirkung mit anderen Arzneistoffen gering ist. Wirkstoffe, die sich ebenfalls auf das zentrale Nervensystem auswirken, können dessen Funktion aber weiter stören und zu weiteren oder stärkeren Nebenwirkungen führen. Dazu gehören beispielsweise:
- Lorazepam
- Opioide
- Alkohol (Ethanol)
Für eine vollständige Liste möglicher Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen ist es ratsam, sich an den behandelnden Arzt oder Apotheker zu wenden.
Veröffentlicht am: 01.09.2026
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ATC Code(s)
ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- N02BF02
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Die Gelbe Liste Pharmindex Online. Pregabalin https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Pregabalin_48440
[2] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[3] Pschyrembel Klinisches Wörterbuch online. Pregabalin https://www.pschyrembel.de/Pregabalin/K009V
[4] Pharmakologie und Toxikologie – von den molekularen Grundlagen zur Pharmakotherapie, Springer Medizin Verlag Heidelberg (2012)
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