Radiojodtherapie – mit Strahlung gegen überschüssiges Schilddrüsengewebe

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Zusammenfassung
Die Radiojodtherapie ist eine Behandlungsform für Schilddrüsenerkrankungen. Dabei nimmt die zu behandelnde Person radioaktives Jod ein, das sich in der Schilddrüse anreichert und dort überschüssiges Gewebe zerstört. Die Therapie findet in einem Krankenhaus statt und muss gut vorbereitet werden. Ärzte und Ärztinnen kontrollieren den Erfolg der Therapie und passen etwaige Medikamente an. In einigen Fällen wird die Behandlung mit Operationen kombiniert. Nebenwirkungen wie Entzündungen unterschiedlicher Organe sind möglich, in seltenen Fällen können durch die radioaktive Behandlung Tumore entstehen. Die Kosten für die Behandlung und den Krankenhausaufenthalt übernehmen die Krankenkassen.
Was ist eine Radiojodtherapie?
Bei der Radiojodtherapie nimmt eine Person kleine Mengen radioaktiven Jods ein. Der Körper benötigt Jod, um die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) herzustellen. Weil er dabei nicht unterscheidet, ob es sich um radioaktives oder nicht radioaktives Jod handelt, reichert sich das strahlende Jod in der Schilddrüse an und schädigt in der Nähe liegendes Gewebe. Die Behandlung kommt deshalb bei Menschen zum Einsatz, bei denen die Schilddrüse sich vergrößert hat. Das kann in Form einer Struma (auch Kropf genannt) geschehen, die durch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entstanden ist, aber auch andere gutartige oder bösartige Schilddrüsentumoren lassen sich durch die Radiojodtherapie in vielen Fällen behandeln. Wenn überschüssiges Schilddrüsengewebe Hormone produziert, kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen (Hyperthyreose), die sich ebenfalls mit der Radiojodtherapie behandeln lässt.
Da Jod fast ausschließlich in der Schilddrüse benötigt und gespeichert wird, wirkt sich die Behandlung meist nur geringfügig auf den Rest des Körpers aus. Mit dieser Therapiemethode lassen sich Zubildungen des Organs vergleichsweise zielgerichtet behandeln. So lässt sich unter Umständen eine Operation vermeiden, die im vorderen Halsbereich, in dem die Schilddrüse liegt, andere anatomische Strukturen wie die Stimmbänder in Mitleidenschaft ziehen könnte. Da das mit radioaktivem Jod behandelte Schilddrüsengewebe schrumpft, eignet sich die Behandlung auch dazu, eine nachfolgende Operation zu erleichtern. Deshalb werden in vielen Fällen beide Behandlungsansätze kombiniert.
Welche Anwendungsgebiete gibt es für eine Radiojodtherapie?
Die Radiojodtherapie setzen Ärztinnen und Ärzte beispielsweise ein, um eine Struma zu behandeln. Das ist eine Vergrößerung der Schilddrüse, die durch Jodmangel oder Krankheiten entstehen kann und bei der das eigene Immunsystem Teile des Organs angreift. Zu diesen Autoimmunerkrankungen gehören die Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Schilddrüsenautonomie, bei der hormonproduzierende Zellen entstehen, die nicht der üblichen Regulierung durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) unterliegen beziehungsweise unabhängig davon Hormone produzieren. Meist sind die Ursachen gutartige Schilddrüsenknoten oder -tumoren (Schilddrüsenadenome).
Außerdem behandeln Medizinerinnen und Mediziner bösartige Schilddrüsentumore (Schilddrüsenkarzinome) mithilfe der Radiojodtherapie. Teilweise kommt sie dabei allein zum Einsatz, in anderen Fällen kombiniert mit einer Operation.
Wie wird eine Radiojodtherapie durchgeführt?
Die Schilddrüse nimmt Jod auf und speichert es. Sind die Speicher gefüllt, wird kein oder nur wenig Jod aufgenommen. Da es für die Radiojodtherapie entscheidend ist, dass das radioaktive Jod in das Organ gelangt, sollte schon zwei bis vier Wochen davor eine jodarme Diät eingehalten werden.
Jod und radioaktives Jod
Viele chemische Elemente kommen in unterschiedlichen Varianten vor, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sprechen von Isotopen. Das übliche Jod, wie es beispielsweise in Seefisch oder Jodsalz vorkommt, ist elektrisch nicht geladen und stabil, es bleibt unter gleichbleibenden Bedingungen über Jahrmillionen so wie es ist. Daneben gibt es aber Formen von Jod, bei denen sich die Zusammensetzung des Atomkerns leicht unterscheidet. Diese sind häufig instabil und zerfallen teilweise in Sekundenbruchteilen in andere Elemente. Jod 131 entsteht beispielsweise beim Zerfall von Uran während der Stromerzeugung in Atomkraftwerken. Es zerfällt innerhalb einiger Wochen üblicherweise zu Xenon 131. Bei diesem Prozess sendet es radioaktive Strahlung ab, die sich Ärztinnen und Ärzte für die Radiojodtherapie zunutze machen.
Zwei Wochen vor der Therapie wird ein Radiojodtest durchgeführt. Dazu schluckt die zu behandelnde Person eine Kapsel mit radioaktivem Jod. Anschließend misst das medizinische Fachpersonal mithilfe einer Kamera oder Sonde, wie die Substanz aufgenommen wird. So lässt sich die genaue Dosis bestimmen, die für die Behandlung notwendig und sinnvoll ist.
Liegt vor der Behandlung eine Hyperthyreose vor, kommen entsprechende Medikamente zum Einsatz, um eine möglichst normale Schilddrüsenfunktion zu erzielen. Die Arzneimittel müssen aber zwei bis drei Tage vor der Radiojodtherapie abgesetzt werden, da sonst die Aufnahme des Jods beeinträchtigt sein kann.
Eine Radiojodtherapie findet im Krankenhaus (stationär) statt. Wegen der radioaktiven Strahlung, die sich auch außerhalb des Körpers der behandelten Person auswirkt, wird sie in speziellen Bereichen der Einrichtung vom Kontakt mit anderen Personen abgeschirmt. Am Tag der Behandlung sollte mindestens vier Stunden vor und bis eine Stunde nach der Einnahme des radioaktiven Jods nichts gegessen werden. Das Jod selbst wird in Form von Flüssigkeit oder einer Kapsel eingenommen. Im Anschluss bestimmt das medizinische Personal täglich, wieviel Jod aufgenommen wurde und wie lange es wirksam sein wird. Gegebenenfalls ist eine Nachbehandlung nach zwei bis drei Tagen notwendig.
Das radioaktive Jod, das nicht in der Schilddrüse gespeichert wird, scheidet der Körper über den Urin aus. Damit es sich nicht zu lange in der Blase befindet und dort Schaden anrichten kann, muss eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet sein. So wird mehr Urin gebildet und samt dem radioaktiven Material ausgeschieden. Wenn die Strahlung der behandelten Person unter einen gewissen Wert gesunken ist (weniger als 3,5 Mikrosievert pro Stunde in einem Abstand von zwei Metern), darf sie das Krankenhaus in der Regel verlassen. Meist ist das nach zwei bis sechs Tagen der Fall
Nach der Behandlung werden etwaige Schilddrüsenbehandlungen in der Regel wieder aufgenommen und die entsprechenden Blutwerte alle zwei bis drei Wochen kontrolliert. Basierend auf diesen Ergebnissen passt der behandelnde Arzt oder die Ärztin die Therapie gegebenenfalls an, bis sie im besten Fall nicht mehr notwendig ist. Nach einem viertel bis halben Jahr ist eine Kontrolle bei einem Nuklearmediziner oder einer Nuklearmedizinerin vorgesehen. Er oder sie entscheidet, ob das Behandlungsergebnis zufriedenstellend oder eine erneute Radiojodtherapie sinnvoll ist.
Wie wirkt eine Radiojodtherapie?
Das bei einer Radiojodtherapie verabreichte radioaktive Jod gelangt in die Schilddrüse und wird gespeichert. Es sendet dort verschiedene Arten von Strahlung aus. Die Betastrahlung hat eine kurze Reichweite und zerstört das umliegende Schilddrüsengewebe. Gammastrahlung hat eine größere Reichweite und wird vom medizinischen Personal für Messungen des Behandlungserfolgs und der Strahlenbelastung der behandelten Person und ihres Umfelds genutzt. Da Jod vor allem in der Schilddrüse gespeichert wird, zerstört die Behandlung gezielt das entsprechende Gewebe und wirkt sich in der Regel kaum auf andere Körperteile aus. Erfolge der Therapie zeigen sich in vielen Fällen aber erst nach mehreren Monaten.
Welche Risiken bestehen bei einer Radiojodtherapie?
Die Radiojodtherapie geht mit einigen Risiken einher. Beispielsweise kann es im Rahmen der Behandlung oder kurz danach zu folgenden Beschwerden kommen:
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Entzündungen der Speicheldrüsen (Sialadenitis), da auch diese in geringen Mengen radioaktives Jod aufnehmen
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Im weiteren Verlauf sind außerdem unter anderem möglich:
- Schilddrüsenentzündung durch die Strahlung (Strahlenthyreoiditis)
- Leukämie oder andere bösartige Tumoren. Das kommt etwa bei einem Prozent der behandelten Personen vor, meist nach hochdosierter Radiojodtherapie.
- Mundtrockenheit durch Schädigung der Speicheldrüsen.
Bei Kindern wird eine Radiojodtherapie aufgrund der Radioaktivität nicht durchgeführt.
Wer übernimmt die Kosten für die Radiojodtherapie-Behandlung?
Die Kosten für die Radiojodtherapie und den notwendigen Krankenhausaufenthalt übernehmen die Krankenkassen.
Veröffentlicht am: 01.06.2026
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Radiojodtherapie. https://www.pschyrembel.de/Radiojodtherapie/K0JBX
[2] Pschyrembel. Online. Schilddrüsenautonomie. https://www.pschyrembel.de/Schilddr%C3%BCsenautonomie/B0BK7/doc/
[3] Deutsches Schilddrüsenzentrum. Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen. https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/behandlung/radiojodtherapie/
[4] Deutsche Ärztezeitung. Kasse muss für Klinikaufenthalt bezahlen. https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Kasse-muss-fuer-Klinikaufenthalt-bezahlen-250783.html
[5] Amboss.com. Radioiodtherapie. https://www.amboss.com/de/wissen/radioiodtherapie/
[6] Amboss.com. Struma. https://www.amboss.com/de/wissen/Struma#Za09c21d0a718363600d6946f2e55b0cf
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