Debridement zur Unterstützung der Wundheilung

Schnelleinstieg in unsere Themen
Zusammenfassung
Infizierte oder andere schwer heilende Verletzungen müssen oft bei der Wundheilung unterstützt werden. Maßnahmen dazu werden im Rahmen des professionellen Wundmanagements als Debridement bezeichnet. Darunter fassen Fachleute eine Sammlung verschiedener Methoden zusammen. Diese dienen zum einen dazu, die Wunde von infiziertem oder abgestorbenen Gewebe, keimbelasteten Fremdkörpern oder Wundbelägen zu befreien, die das Abheilen erschweren können. Zum anderen dient das Debridement dazu, die Wundheilung anzuregen. Manche Methoden des Debridements sind schmerzhaft, weshalb diese oft unter einer Teil- oder Vollnarkose angewandt werden.
Was ist mit Debridement gemeint?
Debridement oder Wundtoilette bezeichnet im Rahmen des Wundmanagements die Reinigung von lebensbedrohlichen akuten, aber auch chronischen, infizierten oder schlecht heilenden Wunden. Durch das Debridement ist es möglich, den Heilungsprozess anzuregen, zu beschleunigen und so den Körper dabei zu unterstützen, die Wunde mit Narbengewebe zu verschließen. Dafür wird die Wunde im Rahmen des Debridements von Belägen befreit, etwa
- anhaftendem Schorf aus geronnenem und eiweißreichem Wundsekret, der abgestorbene Haut- und Blutzellen enthält und die offene Wunde abdeckt, sowie
- Blut- oder Eiterkrusten,
- nicht ausreichend durchblutetem oder abgestorbenem (nekrotischem) Gewebe,
- stark geschuppter oder verdickter Haut,
- Knochenfragmenten,
- Fremdkörpern,
- Hämatomen und
- anderen Keimbelastungen.
Wundreinigung oder Debridement: der Unterschied
Je nachdem, wie es zu einer Verletzung gekommen ist, müssen Wunden unterschiedlich behandelt werden. Bei oberflächlichen Schürfwunde n reicht es oft aus, sie von Schmutz oder anderen losen Fremdkörpern zu reinigen. Dafür können sie aus- oder abgespült oder mit einer sterilen Auflage ausgewischt werden.
Beim Debridement jedoch wird die Wunde tiefgreifend von Einflüssen gereinigt, die den Heilungsprozess beeinträchtigen könnten. Gleichzeitig wird der Heilungsprozess angeregt und beschleunigt.
Es lassen sich verschiedene Formen des Debridements unterscheiden:
- Mechanisches Debridement, z. B. mit sterilen Auflagen oder Bürsten
- Chirurgisches oder „scharfes“ Debridement mit sterilen Instrumenten, z. B. Skalpell, scharfem Löffel (Kürette), Schere oder Pinzette
- Technisches Debridement, z. B. Jet-Lavage mit steriler Kochsalzlösung
- Biologisches Debridement mit sterilen Fliegenlarven
- Debridement mit autolytischen oder enzymatischen Wundprodukten
Wann kann ein Debridement helfen?
Das Debridement dient zum einen der Wundreinigung, zum anderen lässt sich so eine zum Stillstand gekommene Wundheilung wieder anregen oder generell beschleunigen. In Gang gesetzt wird dies durch eine gezielte Gewebeverletzung, sodass mit dem ausströmenden Blut Zellen des Immunsystems in die Wunde strömen, ohne die eine Wundheilung nicht möglich ist. Oft muss die Wundtoilette dafür mehrmals durchgeführt werden. Für dieses serielle Debridement wird die Wunde zwischen den Behandlungen so abgedeckt, dass sie nicht austrocknet.
Bei folgenden Erkrankungen oder Verletzungen ist häufig ein Debridement notwendig:
- Infizierte Wunden
- Wenn sich kein oder nicht ausreichend viel Narbengewebe bildet
- Bluterguss (Hämatom) im Wundbereich
- Schwere Verbrennungen oder Erfrierungen
- Gewebequetschungen nach Unfällen
- Fremdkörper in der Wunde
- Druckgeschwüre (Dekubitus)
Wie wird ein Debridement durchgeführt?
Bei der mechanischen Form des Debridements kommen verschiedene Techniken infrage. Eine davon ist das Wet-to-dry-Dressing. Dabei wird eine angefeuchtete und sterile Gazekompresse der Wunde aufgelegt und damit der Belag auf der Wunde angefeuchtet. Während dieser wieder trocknet, verklebt er mit der Gaze. Wird die Gaze beim (täglichen) Verbandswechsel abgenommen, wird das anhaftende Material ebenfalls entfernt. Das reinigt zum einen die Wunde, zum anderen wird so der Heilungsprozess angeregt.
Das chirurgische Debridement findet oft unter Teil- oder Vollnarkose statt, wenn eine größere Verletzung versorgt werden muss. Mit einem Skalpell oder einer Kürette lassen sich alle Wundbeläge sowie verdickte, nicht ausreichend durchblutete, infizierte oder abgestorbene Hautstellen entfernen.
Mit einer Jet-Lavage (Hydrochirurgie) lässt sich eine Wunde unter Hochdruck mit einer sterilen Kochsalzlösung oder einem Antiseptikum ausspülen, um die Wundheilung anzuregen und die Keimbelastung in der Wunde zu minimieren. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Wundspülung. Letztere wird bereits seit Jahrhunderten bei akuten und seit einiger Zeit auch bei chronischen Wunden eingesetzt. Die Intensität des Strahls lässt sich während der Jet-Lavage präzise einstellen. So lassen sich gleichermaßen weichere Beläge oder dichtere, festere Strukturen entfernen.
Beim biologischen Debridement werden sterile Fliegenlarven in die Wunde gesetzt. Diese ernähren sich vom abgestorbenen Gewebe, indem sie es mit ihrem Speichel enzymatisch auflösen. Gleichzeitig wirkt dieser antibakteriell. Die Fliegenlarven bewegen sich durch die Wunde, während sie sich von ihr ernähren. Dabei regen sie den Körper dazu an, weiter Wundflüssigkeit zu produzieren, was die Heilung anregt. In der Regel wird diese Form des Debridements als schmerzfrei empfunden.
Wundbehandlungsstrategien mit feuchten Wundauflagen unterstützen den natürlichen Heilungsprozess, weil sie die feuchten Bedingungen einer Wunde aufrechterhalten. Verwendet werden Verbände, die mit einem bestimmten Wundprodukt bestrichen werden, zum Beispiel einem Hydrogel. Diese Kombination erlaubt es Entzündungszellen, in die Wunde einzuwandern und ihre eigenen Enzyme freizusetzen. Diese Behandlung wir daher autolytisches Debridement genannt. Die körpereigenen Enzyme lösen die eiweißhaltigen Beläge auf.
Eine enzymatische Behandlung ist auch durch enzymhaltige Produkte möglich, die auf die Wunde aufgetragen werden. Auch diese Form wird in der Regel als schmerzfrei empfunden. Zudem lässt sich diese Behandlung einfach von einer entsprechend ausgebildeten Fachkraft anwenden. Sie eignet sich besonders für Menschen mit einer Gerinnungsstörung oder wenn andere Methoden des Debridements nicht infrage kommen.
Welche Risiken bestehen bei einem Debridement?
Jede Form einer Behandlung birgt Risiken. Allerdings wird das Debridement im Rahmen des Wundmanagements nur von Menschen angewendet, die eine entsprechende Fortbildung absolviert haben. Daher lassen sich viele Risiken bereits vor der Behandlung einschätzen.
Folgende Risiken bestehen bei den verschiedenen Methoden des Debridements:
- Mechanisches Debridement: Bereits gebildetes Narbengewebe kann geschädigt werden, zudem ist diese Form des Debridements recht schmerzhaft.
- Jet Lavage: Vermutlich können sich durch den auf das Gewebe aufprallende Strahl feinste Flüssigkeitstropfen (Aersol) bilden, die mit Keimen aus der Wunde belastet sind und so die Umgebungsluft im Behandlungsraum verunreinigen. Zudem ist diese Behandlung oft sehr schmerzhaft, daher kann eine Narkose notwendig sein.
- Beim autolytischen Debridement kommt es in manchen Fällen zu einer allergischen Reaktion auf bestimmte Inhaltsstoffe der verwendeten Wundprodukte. Dazu zählt beispielsweise das KonservierungsmittelPropylenglykol. Zudem eignet sich diese Form des Debridements nicht bei der Behandlung von Fisteln, Körperhöhlen, blutenden oder infizierten Wunden, dem nekrotischen Fuß oder wenn der Fuß nicht ausreichend durchblutet ist.
- Bei der enzymatischen Wundbehandlung ist es wichtig, auf die Anwendung von Seife oder antiseptisch wirkenden Produkten zu verzichten. Diese können die Wirkung der Enzyme herabsetzen.
Was ist nach einem Debridement zu beachten?
Eine schwer heilende Wunde ist unangenehm, und die Behandlung selbst kann zu weiteren Beschwerden führen. Nach einem Debridement ist es daher wichtig, sich bei der behandelnden Person darüber zu informieren, wie Sie die Wundheilung noch weiter unterstützen können. Generell ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung ratsam. Auch kann es hilfreich sein, das Rauchen zu reduzieren oder ganz einzustellen. Treten nach der Behandlung plötzlich Beschwerden auf wie Schmerzen, blutet oder nässt der Verband durch, sollten Sie die behandelnde Praxis informieren oder die Notfallpraxis aufsuchen.
Veröffentlicht am: 23.12.2025
Das könnte Sie auch interessieren

Wundversorgung ist bei allen Verletzungen wichtig

Narbenpflege – was hilft geschädigter Haut?

Druckverband – lebenswichtige Erste-Hilfe-Maßnahme

Krankengymnastik – wann sie eingesetzt wird und wie sie wirkt

Manuelle Therapie – Schmerzlinderung durch gezielte Handgriffe

Lokalanästhetika − Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen
Quellen
[1] Manna B, Nahirniak P, Morrison CA. Wound Debridement. StatPearls Publishing; 2024. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507882/
[2] Pschyrembel. Online. Debridement. https://www.pschyrembel.de/D%C3%A9bridement/K017K
[3] European Wound Management Association (EWMA). Wundmanagement. EWMA Dokument 2013: Debridement. https://ewma.org/fileadmin/user_upload/EWMA.org/Project_Portfolio/EWMA_Documents/EWMA_Debridement__dt_2013.pdf
Unsere Qualitätssicherung

„Die Beratung und Sicherheit unserer Kunden haben bei mir oberste Priorität. So habe ich mich insbesondere der Therapiebegleitung von Menschen mit chronischen Krankheiten und dem Thema Arzneimittelsicherheit verschrieben. Mit den Ratgebern verfügen wir über eine Plattform, um unseren Kunden verständlich aufgearbeitete pharmazeutische Informationen jederzeit online abrufbar zur Verfügung zu stellen.“
Michaela Tünnermann ist seit vielen Jahren als Apothekerin bei Shop Apotheke tätig. Sie hat unter anderem smart THERAPIE PLUS mit aufgebaut, um Menschen mit chronischen Erkrankungen zu helfen, besser mit ihrer Therapie leben zu können. Mit ihrer langjährigen Expertise steht sie hinter unseren Ratgebern von Shop Apotheke, mit denen wir Sie umfassend über verschiedene gesundheitsbezogene Themen informieren und Ihnen wichtige Apotheker-Tipps geben.