Reizblase - Symptome, Ursachen und Behandlung

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Die Reizblase ist gekennzeichnet durch einen vermehrten Harndrang, der auch nachts plötzlich auftritt und ein sofortiges Aufsuchen der Toilette notwendig macht. In manchen Fällen kommt es zudem zu unkontrolliertem Urinverlust. Oft schämen sich die betroffenen Personen für ihre Beschwerden und vermeiden soziale Kontakte, was soziale Isolation und eine reduzierte Lebensqualität zur Folge hat. Die Beschwerden lassen sich jedoch mit der richtigen Therapie gut kontrollieren. Zum Einsatz kommen unter anderem verhaltenstherapeutische Ansätze sowie Medikamente. Erste Erfolge können sich nach drei Monaten bemerkbar machen.
Was ist eine Reizblase?
Menschen mit Reizblase spüren einen plötzlichen Harndrang, der ohne Vorwarnung auftritt und das sofortige Aufsuchen einer Toilette notwendig macht. Dieser tritt häufiger auf, als körperlich notwendig wäre, und macht sich auch nachts bemerkbar. Betroffen sind vor allem Personen weiblichen Geschlechts über 40 Jahre. Zurückführen lassen sich die Beschwerden darauf, dass der Muskel, welcher die Harnblase umgibt, sich spontan zusammenzieht. Warum dies geschieht, ist noch nicht vollständig geklärt.
Wie äußert sich eine Reizblase?
Hauptsymptom der Reizblase ist ein plötzlicher, dringender Harndrang, der sowohl am Tag als auch in der Nacht auftreten kann – auch wenn die Blase kaum gefüllt ist. Aus diesem Grund suchen die betroffenen Personen vermehrt Toiletten auf, es geht allerdings kaum Urin ab. In der Medizin werden diese Beschwerden zusammengefasst unter den Begriffen
- Pollakisurie: Der Ausdruck stammt von den griechischen Wörtern pollákis für oft und ouron für Harn und steht für einen vermehrten Harndrang. Dies bedeutet, dass innerhalb von 24 Stunden mindestens achtmal eine Toilette aufgesucht wird.
- Nykturie: Der Fachausdruck wird von den griechischen Wörtern nýx, nýktos für Nacht und ouron für Harn abgeleitet und bedeutet nächtliches Wasserlassen.
- Imperativer Harndrang: Gemeint ist ein plötzlich, ohne Vorwarnung auftretender Harndrang, der einen sofortigen Toilettengang erfordert.
- Inkontinenz, d. h. ein unfreiwilliger Abgang von Urin
Die betroffenen Personen haben häufig Schlafstörungen sowie ein Erschöpfungssyndrom und fühlen sich gestresst. Die Beschwerden beeinträchtigen die sexuelle Zufriedenheit, das Arbeitsleben sowie die Freizeitaktivitäten. Nicht selten schränken die betroffenen Personen ihre körperlichen Aktivitäten ein aus Angst, es nicht mehr rechtzeitig auf eine Toilette zu schaffen. Dies kann jedoch eine Gewichtszunahme zur Folge haben, was die Blasenprobleme oft verstärkt. Zudem führt das Vermeidungsverhalten zu sozialer Isolation und erhöht das Risiko für Depressionen sowie Angststörungen. Die Folge ist eine eingeschränkte Lebensqualität.
Was verursacht eine Reizblase?
Die Beschwerden der Reizblase werden verursacht durch
- ein unwillkürliches Zusammenziehen des Blasenmuskels (Detrusor) oder
- durch Signale, welche Nerven der Blase an das Gehirn leiten.
Beides, Zusammenziehen und Signale, treten bei Menschen mit Reizblase bereits auf, wenn die Blase nur teilweise gefüllt ist. Wie es dazu kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine Störung des Nervensystems, das die Abläufe im Körper regelt (vegetatives Nervensystem). Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen hemmenden und erregenden Reizen.
Risikofaktoren für eine überaktive Blase sind höheres Lebensalter und Übergewicht. Verstärkt werden die Beschwerden beispielsweise durch übermäßigen Kaffeekonsum sowie einen Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen, wie er etwa nach den Wechseljahren vorkommt.
Wie wird die Diagnose Reizblase gestellt?
Erste Anlaufstelle für Menschen mit überaktiver Blase ist die hausärztliche Praxis. Die Diagnose erfolgt anhand der Symptome und nachdem andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden, die ähnliche Beschwerden verursachen. Hierzu zählen beispielsweise
- Harnblasenerkrankungen wie Infektionen, Harnsteine, Fremdkörper
- Verengungen unterhalb der Harnblase beispielsweise aufgrund einer vergrößerten Prostata, Tumoren oder Zysten, die Druck auf die Harnblase ausüben
- Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Herzschwäche
- Mangel an dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen, wie er für die Zeit nach den Wechseljahren typisch ist
- Psychische Störungen wie Depression und Angst
- Neurologische Ursachen wie Schlaganfall, Rückenmarksverletzung
Manchmal erfolgt nach ersten Untersuchungsschritten eine Überweisung an eine Fachpraxis, die sich auf Erkrankungen der Harnwege (Urologie) oder auf Erkrankungen des weiblichen Körpers (Gynäkologie) spezialisiert hat.
Als Erstes wird sich das medizinische Fachpersonal nach der Krankengeschichte (Anamnese) der betroffenen Person erkundigen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf das Ess- und Trinkverhalten gelegt. Dafür wird die betroffene Person etwa gefragt,
- ob sie häufiger als üblich die Toilette aufsuchen muss.
- ob der Harndrang plötzlich auftritt und dringend ist.
- seit wann diese Probleme bestehen.
- ob sie auch in der Nacht urinieren muss.
- ob Schmerzen beim Wasserlassen auftreten.
- wie oft sie insgesamt zur Toilette muss und wie viel Urin abgeht.
- wie viel sie am Tag trinkt.
- wie groß sie ist und wie viel sie wiegt.
- ob Senkungsbeschwerden vorliegen.
- ob andere Erkrankungen bestehen.
- ob Verletzungen vorliegen oder chirurgische Eingriffe vorgenommen wurden.
- welche Medikamente sie einnimmt.
Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, die beispielsweise ergänzt wird mit
- einem Vaginalabstrich zum Nachweis einer Scheidenentzündung. Hierfür werden mit einem Tupfer Vaginalsekret und Zellen der Vaginalhaut aus der Scheide entnommen.
- einer Laboruntersuchung mit Urinanalyse zum Ausschluss einer Infektion.
- einer Blasenspiegelung zum Ausschluss eines Karzinoms oder einer Blasenentzündung.
- einem Ultraschall der Harn- und Geschlechtsorgane, um beispielsweise Fremdkörper, Harnsteine, Zysten[mp11.1], Tumore oder Aussackungen der Harnröhre auszuschließen.
- neurologischen Untersuchungen.
- urodynamischen Untersuchungen, mit deren Hilfe sich der Druck in der Harnblase bestimmen lässt.
- der Erhebung des Hormonstatus.
Wie sieht die Behandlung bei Reizblase aus?
Als wirksam hat sich bei einer überaktiven Blase die Verhaltens- und Physiotherapie erwiesen. Hierzu zählt zum Beispiel das Führen eines Tagebuchs, in dem die Menge der getrunkenen Flüssigkeit, die Häufigkeit des Wasserlassens sowie die Menge des abgegangenen Urins festgehalten wird. Das Protokoll liefert erste Hinweise auf den Auslöser der Reizblase, hilft, das Ausmaß der Beschwerden objektiv einzuschätzen, und ist wichtig für das anschließende Blasentraining.
Durch die häufigen Entleerungen ist das Fassungsvermögen der Blase kleiner geworden. Ein regelmäßiges Training hilft, dieses wieder aufzubauen. Zum Einsatz kommen unter anderem folgende Übungen:
- Miktion nach der Uhr: Mithilfe des Tagebuchs wird die Zeit festgehalten, die zwischen dem Toilettengang und dem erneuten Auftreten des Dranggefühls vergeht. Zuerst wird die Blase entleert, bevor der Harndrang auftritt, anschließend wird versucht, den Zeitraum ohne Dranggefühl zu verlängern.
- Zweizeitige Miktion: erneute Blasenentleerung kurz nach dem ersten Wasserlassen, um eventuell in der Blase verbliebenen Harn zu beseitigen
- Verzögerte Miktion: Bei Eintreten des Harndrangs wartet die betroffene Person kurze Zeit, bevor sie uriniert. Dabei sollte sie ruhig und langsam zur Toilette gehen und nicht laufen. Anschließend wird versucht, diesen Zeitraum langsam zu steigern.
Wichtig ist, dass die Toilette nicht vorbeugend aufgesucht wird, da dies die Blase darauf trainiert, bereits bei geringer Füllung Harndrang zu melden. Mit der Zeit wird das Training auf die Nacht ausgeweitet. Menschen mit Blasenschwäche können zudem von einer Beckenbodenschulung profitieren. Diese kann während einer Physiotherapie oder mithilfe eines Biofeedbacks, welches die Aktivität des Muskels misst, erlernt werden.
Ergänzend bieten sich verschiedene Entspannungsverfahren an.
Oft sind zusätzlich Medikamente notwendig wie Anticholinergika als Gel oder Pflaster. Diese hemmen die Aktivität des Blasenmuskels, können aber Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Verstopfung verursachen. Bei Frauen können Zäpfchen oder Salben mit dem Hormon Östrogen angewandt werden.
Erzielen Blasentraining und Medikamente nicht die gewünschte Wirkung, kann eine Neurostimulation versucht werden. Bei diesem Verfahren werden elektrische Stromimpulse dazu genutzt, Nervenzellen zu hemmen und damit die Aktivität des Blasenmuskels zu unterdrücken. Die Stromimpulse sollten täglich über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Verbessern sich die Beschwerden der Reizblase nicht, besteht die Möglichkeit der sakralen Neuromodulation. Dabei werden in einem chirurgischen Eingriff Elektroden am Kreuzbein eingeführt, die die Informationsweiterleitung zwischen Blase und Gehirn beeinflussen. Bekannt ist dieses Verfahren auch als Blasen- oder Beckenbodenschrittmacher. Eine weitere Möglichkeit ist Botulinumtoxin. Das Nervengift wird in den Blasenmuskel injiziert und verhindert, dass dieser sich zusammenzieht. Wenn alle genannten Therapien versagen, besteht als letzte Möglichkeit der Ersatz der Harnblase beziehungsweise die Harnableitung.
Was können Sie selbst bei Reizblase tun?
Viele Menschen, die eine überaktive Blase haben, suchen keine ärztliche Praxis auf - entweder aus Scham oder aus Überzeugung, ihre Probleme würden zum normalen Alterungsprozess gehören. Eine Behandlung kann jedoch die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern. Zudem können folgende Verhaltensweisen beziehungsweise Maßnahmen die Therapie ergänzen:
- Ausreichend trinken, da ansonsten der Urin zu konzentriert ist. Dieser greift dann die Bestandteile die Blasenschleimhaut an. Durch die Reizung verstärken sich die Beschwerden.
- Zwei Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr trinken, um die Nachtruhe nicht zu stören
- Keine harntreibenden Getränke vor Aktivitäten, bei denen man viel unterwegs ist
- Kein Kaffee, Alkohol, schwarzer oder grüner Tee, da diese Getränke harntreibend wirken. Des Weiteren verstärken Brennnesseltees, Nieren- sowie Blasentees die Bildung von Urin.
- Bei Übergewicht hilft es dieses zu reduzieren
- Entspannen oder mit schönen Gedanken vom Harndrang ablenken. Des Weiteren lindert das Anspannen und Hochziehen des Beckenbodens oder veränderte Druckverhältnisse im Bauchraum den Harndrang. Für Letzteres setzen sich betroffene Personen auf einen Stuhl und beugen den Oberkörper nach vorne, sodass sie mit den Händen an die Füße greifen können.
Veröffentlicht am: 08.06.2026
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ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen. Die Zuordnung basiert auf dem Diagnoseschlüssel ICD-10 BMSGPK 2022 (März 2022)
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