Kalkschulter - Symptome, Behandlung und Ursache

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Der Begriff Kalkschulter bezeichnet Kalkablagerungen an den Sehnen im Bereich des Schultergelenks. Diese können mit Beschwerden verbunden sein, bei manchen Menschen treten zum Beispiel spontan sehr unangenehme Schmerzen im Schultergelenk auf. In der Regel ist die Kalkschulter gut mit Medikamenten und Physiotherapie behandelbar und heilt oftmals von selbst ab.
Was ist eine Kalkschulter?
Mehrere Muskeln ziehen vom Schulterblatt zum Oberarm und koordinieren so dessen Bewegungen, zusammen mit weiteren Muskeln im Brustbereich. Die Schulterblattmuskeln bilden dabei mit ihren Sehnen im Bereich des Schultergelenks die Rotatorenmanschette. Eingerahmt vom knöchernen Dach der Schulter besteht hier eine Engstelle, durch die zusammen mit den Sehnen auch Nerven und Blutgefäße in Richtung Arm verlaufen.
Zu einer Kalkschulter kommt es, wenn sich an den Sehnen der Rotatorenmanschette Kalkablagerungen bilden. Davon ist besonders der Supraspinatus-Muskel betroffen, der dem Abspreizen des Arms dient. Diese Ablagerungen, die ein richtiges Depot von bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser bilden können, können die Beweglichkeit der Sehnen stören und zu Schmerzen führen.
Oft wird der Begriff Kalkschulter synonym für verschiedene entzündlich verschleißbedingte Veränderungen der Schulter verwendet. Die Ursachen für diese Veränderungen können jedoch auch anderer Natur sein und sollten deshalb nicht mit einer Kalkschulter verwechselt werden.
Die Bildung einer Kalkschulter verläuft meist in mehreren Phasen:
- 1. An der betroffenen Sehne kommt es zu Zellveränderungen, es entsteht Knorpelgewebe.
- 2. In den Knorpel lagern sich Kalziumsalze ein. Diese können sich abkapseln und in eine Ruhephase eintreten. Durch eine Aktivierung des Immunsystems sprießen Blutgefäße in dieses Kalkdepot ein, Immunzellen wandern hinein und verflüssigen den Kalk, um ihn abzutransportieren.
- 3. Nach dem Abtransport des Kalks kann sich an der Stelle Narbengewebe bilden.
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind von einer Kalkschulter betroffen, weibliche Personen erleben sie statistisch gesehen häufiger als männliche. Die meisten Menschen mit einer diagnostizierten Kalkschulter sind etwa zwischen 30 und 50 Jahre alt.
Wie äußert sich eine Kalkschulter?
Viele Personen mit Kalkschulter haben keine Beschwerden. Treten Probleme auf, ist dies meist in der Phase der Aktivierung der Fall – also dann, wenn das Immunsystem das Kalkdepot auflöst. Es kann zu starken Schmerzen kommen, die meist zwei bis drei Wochen anhalten.

Typisch sind folgende Symptome:
- ausgeprägte Nachtschmerzen im betroffenen Schultergelenk
- Bewegungseinschränkung durch die starken Schmerzen
- Liegen auf der jeweiligen Seite nicht möglich
- bestimmte Bewegungen wie Über-Kopf-Arbeiten oder Sport sind nicht möglich
- Impingement-Syndrom (Einklemmung von Nerven und Sehnen im Schultergelenk mit nachfolgenden Schmerzen)
Sorgt die Kalkschulter für Beschwerden, ist der Schleimbeutel im Gelenk oft gereizt oder sogar entzündet, was die Schmerzen verstärkt. Die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Kalkschulter kommen nach Abbau des Kalkdepots durch den Körper oft von selbst wieder zur Ruhe. Ist das nicht der Fall, gibt es wirksame Therapien.
Was verursacht eine Kalkschulter?
Die genauen Ursachen für die Bildung einer Kalkschulter sind nach wie vor nicht vollständig bekannt. Es stehen verschiedene Auslöser zur Diskussion, unter anderem eine zu geringe Blutversorgung im Bereich der Sehnenmanschette. Auch eine mechanische Überlastung der Sehne durch berufliche oder sportliche Betätigungen kommt infrage. Zudem könnten Druck und eine zu geringe Sauerstoffversorgung des Gewebes eine Rolle spielen.
Folgende Faktoren können das Entstehen einer Kalkschulter begünstigen:
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Adipositas (Fettleibigkeit)
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Anatomische Besonderheiten der Schulter, wodurch es zu einer mechanischen Einengung der Sehne kommt
Wie wird die Diagnose Kalkschulter gestellt?
Personen, die über mindestens zwei Wochen Schulterschmerzen haben, deren Ursache nicht bekannt ist, sollten eine ärztliche Praxis aufsuchen. Dort kann mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung das Problem eingegrenzt werden. So deuten eine eingeschränkte Beweglichkeit, bestimmte schmerzhafte Druckpunkte und eine Verringerung der Muskelmasse auf eine Kalkschulter hin. Trotzdem gilt es, andere schmerzhafte Erkrankungen am Schultergelenk und den beteiligten Strukturen (Sehnen, Gelenkkapsel, Schleimbeutel, Nerven) auszuschließen.
Die endgültige Diagnose ist mit bildgebenden Verfahren zu stellen. Besonders Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen sind hierfür hilfreich. Damit ist der Zustand der Sehnen gut zu beurteilen und die untersuchende Person kann die Kalkdepots sehen und ihre Größe abschätzen. Außerdem helfen diese Untersuchungen, die Kalkschulter von anderen Erkrankungen im Bereich der Schulter zu unterscheiden. Dazu zählen etwa ein Sehnenriss, Schultergelenksarthrose oder Probleme mit der Halswirbelsäule.
Erkrankungen wie eine Schleimbeutelentzündung oder das Impingement-Syndrom können auch ohne eine Verkalkung in der Schulter auftreten. Herz-, Leber- oder Lungenerkrankungen können ebenfalls Schulterschmerzen verursachen. Daher ist eine genaue Diagnostik wichtig.
Wie sieht die Behandlung einer Kalkschulter aus?
Die Selbstheilungsrate bei Menschen mit Kalkschulter ist hoch: In etwa 70 Prozent der Fälle gehen die Beschwerden von selbst vollständig zurück. Zur Erleichterung in der schmerzhaften Phase ist die Einnahme von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen hilfreich.
Genügt dies nicht, stehen weitere Behandlungsmethoden zur Verfügung:
- Physiotherapie: Durch spezielle Übungen und manuelle Techniken wird der Arm wieder mobilisiert, und die Schmerzen können gelindert werden.
- Wärme- und Kältebehandlungen können die Beschwerden verringern und die Entzündung eindämmen.
- Extrakorporale Stoßwellentherapie: Bei dieser Behandlung werden von außen Stoßwellen auf die Schulter abgegeben. Sie fördern die Durchblutung, können Schmerzen lindern und die Kalkansammlung in kleinere Teile zertrümmern. So wird das Depot schneller abgebaut.
- Needling: Sehr feine Hohlnadeln werden von mehreren Seiten in das Kalkdepot geführt, um es zu zerkleinern, wodurch der Körper das Material schneller abtransportieren kann. In manchen medizinischen Zentren kann mit den Nadeln auch Kalk abgesaugt und so das Depot Stück für Stück abgetragen werden.
Meist sind eine oder mehrere dieser Maßnahmen ausreichend. Halten die Beschwerden hingegen monatelang an, hat die betroffene Person starke Schmerzen und ist das Kalkdepot größer als einen Zentimeter, kann eine Operation sinnvoll sein. Der Eingriff findet minimalinvasiv statt – das bedeutet, die chirurgische Fachkraft setzt nur wenige kleine Schnitte, durch die sie dann einen feinen flexiblen Schlauch mit Kamera und Lichtquelle (Endoskop) sowie kleine Werkzeuge einführt. Dadurch kann sie die Kalkansammlung weitgehend entfernen. Schon wenige Tage nach der Operation startet dann die Physiotherapie, um die Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen.
Was können Sie selbst bei Kalkschulter tun?
Wenn Sie unter Schulterschmerzen leiden, können Sie Folgendes versuchen:
- Machen Sie eine Weile Pause mit Sport, der die Schulter stark beansprucht
- Vermeiden Sie möglichst auch im Berufsleben starke Belastungen der Schulter, z. B. durch Über-Kopf-Arbeiten
Über einen kurzen Zeitraum können Sie unterstützend entzündungs- und schmerzstillende Medikamente wie Ibuprofen einnehmen oder die Schulter mit einer Schmerzsalbe wie Diclofenac eincremen. Wenn die Schmerzen nach einiger Zeit nicht spürbar abnehmen, konsultieren Sie eine ärztliche Praxis.
Veröffentlicht am: 27.04.2026
ICD Code
ICD Codes sind Internationale statistische Klassifikationen der Krankheiten zu finden z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) oder Ärztebriefen. Die Zuordnung basiert auf dem Diagnoseschlüssel ICD-10 BMSGPK 2022 (März 2022)
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Quellen
[1] Pschyrembel. Online. Tendinosis calcarea. https://www.pschyrembel.de/Tendinosis%20calcarea/A0UCC/doc/
[2] Deximed Hausarztwissen online. Impingement-Syndrom der Schulter inkl. Supraspinatus-Tendopathie. https://deximed.de/home/klinische-themen/physiotherapie-sportmedizin/krankheiten/schulter-und-oberarm/supraspinatus-tendopathie
[3] Universitätsklinikum Eppendorf. Kalkschulter. https://www.uke.de/krankheitsbild/kalkschulter.html
[4] Kuo, Ying-Chen et al. Comparison of the Effects of Ultrasound- Guided Needle Puncture, Radial Shock Wave Therapy, and Combined Treatments on Calcific Tendinitis of the Shoulder: A Single-blind Randomized Controlled Trial. 1 Jan. 2022: 1065–1074.
[5] gelenk-klinik.de Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Diagnose und Behandlung https://gelenk-klinik.de/schulter/kalkschulter-tendinosis-calcarea-diagnose-und-behandlung.html#:~:text=Bei%20der%20Kalkschulter%20herrscht%20aufgrund,den%20Oberarmkopf%20unter%20der%20Gelenkpfanne.
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