Olanzapin – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

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Zusammenfassung
Olanzapin ist ein Antipsychotikum, das beispielsweise zur Behandlung von Schizophrenie zum Einsatz kommt. Wie es genau wirkt, ist bisher nicht abschließend geklärt. Es greift jedoch auf unterschiedlichen Ebenen in die Signalwege des Nervensystems ein. Dadurch dämpft es unter anderem die übersteigerte Wahrnehmung, die einigen der behandelten Erkrankungen zugrunde liegt. Es wirkt sich aber auch auf vielfältige andere Weise auf die Nerven aus und kann dadurch zu vielen verschiedenen Nebenwirkungen führen. Der Wirkstoff kann außerdem mit einigen anderen Substanzen in Wechselwirkung treten, zum Beispiel schränkt Rauchen seine Wirksamkeit ein. Olanzapin ist in Deutschland verschreibungs- und apothekenpflichtig.
Was ist Olanzapin?
Olanzapin ist ein Wirkstoff, der gegen psychische Erkrankungen beziehungsweise Psychosen wie Schizophrenie oder manische Episoden eingesetzt wird und zählt damit zu den Antipsychotika. Es dämpft Erregungszustände und gefühlsbedingte Spannungen und ermöglicht Betroffenen dadurch, sich von der Erkrankung zu distanzieren und sie als solche zu erkennen. Das ermöglicht oder erleichtert auch weitere Maßnahmen, um eine entsprechende Krankheit zu behandeln. Olanzapin gehört zu den atypischen Antipsychotika, weil es sich im Gegensatz zu den klassischen Antipsychotika kaum auf von bestimmten Teilen des Nervensystems gesteuerte (extrapyramidale) Bewegungen auswirkt. Olanzapin ist verschreibungspflichtig und in Deutschland nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezepts in Apotheken und Versandapotheken erhältlich.
Wie wirkt Olanzapin?
Der Wirkmechanismus von Olanzapin ist bisher nicht vollständig aufgeklärt. Fachleute gehen davon aus, dass es bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) im Nervensystem blockiert, an die normalerweise der Signalstoff (Neurotransmitter) Dopamin bindet. Dabei scheint vor allem der Dopamin(D)-2-Rezeptor eine Rolle zu spielen. Dessen Blockade führt dazu, dass die bei Psychosen häufig erhöhte Wahrnehmung von Umweltreizen herabgesetzt wird. Die Blockade der Dopaminrezeptoren ist aber auch für einige der Nebenwirkungen des Wirkstoffs verantwortlich.
Daneben greift Olanzapin auch in andere Signalwege im Nervensystem ein, die etwa über die Signalstoffe Histamin, Serotonin oder Acetylcholin vermittelt werden. Neben der verminderten Wahrnehmung der Umweltreize durch die Blockade der Dopaminrezeptoren, geht damit eine beruhigende (sedierende) Wirkung einher. Zudem verbessert sich die geistige Leistungsfähigkeit sowie die negative Symptomatik der Psychosen.
Wie und bei welchen Beschwerden wird Olanzapin eingesetzt?
Olanzapin findet hauptsächlich bei der Behandlung von Schizophrenie Anwendung, aber auch bei manischen Episoden. Das sind Störungen, die bei betroffenen Personen zu starker gehobener oder gereizter Stimmung führen und häufig mit Selbstüberschätzung und Leichtsinn einhergehen. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind bipolare Störungen. Menschen mit dieser Erkrankung erleben sowohl depressive als auch manische Episoden. Der Wirkstoff kann bei diesen Erkrankungsbildern auch dabei helfen, zukünftige Krankheitsschübe zu verhindern. Seltener kommt er bei der Behandlung von Zwangsstörungen und Depressionen zum Einsatz.
Olanzapin ist in Form von Tabletten oder Schmelztabletten erhältlich, für medizinisches Fachpersonal auch als Lösung zur Injektion mittels einer Spritze in einen Muskel. Die orale Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Es sollte jedoch dabei darauf geachtet werden, dass die Tabletten immer zur gleichen Zeit eingenommen werden.
Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin wird die Menge der einzunehmenden Dosis und die Dauer der Behandlung bestimmen. Die tägliche Dosis liegt dabei zwischen 5 und 20 mg Olanzapin.
Die Dosierung beträgt bei Erwachsenen mit Schizophrenie zu Beginn üblicherweise 10 Milligramm pro Tag. Die behandelnde Ärztin oder der Arzt kann je nach Therapieerfolg die einzunehmende Menge im Laufe der Behandlung erhöhen.
Bei manischen Episoden beträgt die empfohlene Tagesdosis 15 Milligramm pro Tag, wenn Olanzapin als alleinige Medikation gedacht ist oder 10 Milligramm, wenn zusätzlich noch andere Medikamente Anwendung finden. Wenn die Behandlung erfolgreich ist, und zukünftige Krankheitsepisoden durch Olanzapin verhindert werden sollen, empfiehlt es sich, zur Vorbeugung die gleiche Dosis anzuwenden wie für die erfolgreiche Behandlung.
Um symptomatischen Phasen bei bipolaren Störungen vorzubeugen, werden 10 Milligramm Olanzapin täglich empfohlen. Gegebenenfalls kommen hier noch weitere Therapieoptionen zum Einsatz, um die Auswirkungen auf die Stimmung betroffener Personen abzumildern.
Nicht eingenommen werden sollte Olanzapin
- Bei einer Unverträglichkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Arzneimittelbestandteilen
- Von Menschen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Formen des grünen Stars (Engwinkelglaukom) bzw. wenn es in der Vergangenheit bereits zu einem erhöhten Augeninnendruck gekommen ist.
- Personen unter 18 Jahren
Während der Schwangerschaft sollte Olanzapin nur angewendet werden, wenn es nach Ermessen des Arztes oder der Ärztin unbedingt erforderlich ist und der Nutzen das mögliche Risiko für die schwangere Person oder das Neugeborene deutlich überwiegt. Auch während der Stillzeit raten Fachleute von der Anwendung des Arzneimittels ab beziehungsweise empfehlen, das Stillen zu unterbrechen, da der Wirkstoff in die Milch gelangen und auf den Säugling einwirken kann.
Welche Nebenwirkungen können bei Olanzapin auftreten?
Olanzapin wirkt sich auf das gesamte Gehirn aus, weshalb unterschiedliche Nebenwirkungen möglich sind. Dazu gehören beispielsweise:
- Schläfrigkeit
- Appetit- und Gewichtszunahme
- Erhöhter Blutzucker- und Cholesterinspiegel
- Schwindel
- Bewegungsstörungen
- Verstopfung und Mundtrockenheit
- Herzrhythmusstörungen wie langsamer Herzschlag (Bradykardie), gegebenenfalls mit Blutdruckabfall oder plötzlichen Ohnmachtsanfällen (Synkope)
Selten oder sehr selten kann es zu schweren Nebenwirkungen wie Krampfanfällen, allergischen Reaktionen, schweren Herzrhythmus- und Herzkreislaufstörungen kommen.
Bei älteren Personen mit Demenz führt die Anwendung von Olanzapin häufig zu einem abnormen Gang und Stürzen, Halluzinationen und Harninkontinenz. Bei Menschen mit Parkinson kann die Anwendung des Arzneimittels die Symptome der Erkrankung verstärken.
Symptome wie Schwindel und Schläfrigkeit können die Fähigkeit beinträchtigen, Fahrzeuge und gefährliche Maschinen zu bedienen. Wer während der Anwendung entsprechende Symptome erlebt, sollte etwaige Tätigkeiten unterlassen oder zuvor zumindest ärztliche Rücksprache halten.
Gibt es Wechselwirkungen bei Olanzapin?
Olanzapin kann andere Arzneimittel oder Substanzen in ihrer Wirksamkeit beeinflussen oder seinerseits durch andere Substanzen in seiner Wirkung beeinflusst werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Rauchen oder das Medikament Carbamazepin können den Abbau von Olanzapin beschleunigen und seine Wirkung dadurch beeinträchtigen. Die Behandlung sollte bei Rauchenden und Anwendenden von Carbamazepin überwacht und die Dosis bei Bedarf erhöht werden.
- Aktivkohle kann die Aufnahme von Olanzapin behindern. Es ist deshalb ratsam, mindestens zwei Stunden Abstand zwischen der Einnahme beider Arzneimittel einzuhalten.
- Das Antidepressivum Fluvoxamin hemmt den Abbau von Olanzapin und kann deshalb dazu führen, dass geringere Dosen des Antipsychotikums notwendig sind.
- Dopaminagonisten, die zur Behandlung von Parkinson Anwendung finden, können in ihrer Wirkung durch Olanzapin beeinträchtigt werden.
Veröffentlicht am: 11.03.2026
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ATC Codes sind internationale Klassifikationen von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
- N05AH03
- Quelle: Gelbe Liste
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Quellen
[1] Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (2020).
[2] Pschyrembel. Online. Olanzapin. https://www.pschyrembel.de/olanzapin/K0FN6/doc/
[3] Pschyrembel. Online. Manie. https://www.pschyrembel.de/manie/K0DNN/doc/
[4] Pschyrembel. Online. Manie. https://www.pschyrembel.de/bipolare%20St%C3%B6rung/K0LMM/doc/
[5] Gelbe Liste Pharmindex. Olanzapin, https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Olanzapin_26411
[6] Gebrauchsinformation Olanzapin – 1 A Pharma® 10 mg Filmtabletten https://1a-files.de/pdf/gi/gi-olanzapin_1a_fct_10mg-1648460781.pdf
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